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Silica-Röhren

Im Jahr 1919 wurde Stanley R. Mullard Direktor der Z-Electric Lamp Co. Ltd., in Southfield (England). Unter seiner Leitung entstanden in den folgenden Jahren die ersten sogenannten Silica-Röhren für die Royal Navy. Die Silica-Röhren wurden in Handarbeit und sehr geringen Stückzahlen, bis etwa 1940, für verschiedene Einsatzzwecke hergestellt. Das hauptsächliche Einsatzgebiet lag in der zu diese Zeit aufkommenden Radartechnik. Später wurden auch von anderen Herstellern, wie beispielsweise der Marconi Osram Valve Co. (MOV), Silica-Röhren hergestellt.

An statt des in dieser Zeit üblicherweise verwendeten Glases, wurde für die Silica-Röhren dickwandiges Silicaglas verwendet, das der Röhrenfamilie auch ihren Namen gab. Dieses spezielle Glas besitzt eine wesentlich höhere Durchlässigkeit für infrarote Strahlung (Wärmestarahlung) gegenüber herkömmlichem Glas und erleichtert somit die Kühlung. Durch die Verwendung von Silicaglas konnte auf die bei der Verwendung einer herkönnlichen Konstuktzion zwingend benötigte Wasserkühlung, verzichtet werden.
Das Röhrensystem einiger Silica-Röhren ist innerhalb des Glaskolbens an Federn aufgehängt, die das Elektrodensystem auf Spannung halten und wahrscheinlich widerstandsfähig gegenüber Vibrationen und Erschütterungen machten sollte. Die Elektroden der Röhren wurden mit flexiblen Drähten nach außen geführt, mit denen die gesamte Röhre für den Betrieb einfach in einen Halterahmen gespannt wurde.
Ein weiterer Vorteil ist die gute Schweißbarkeit des Silicaglases. So können defekte Röhren einfach aufgeschnitten und die Elektroden oder der Heizfaden erneuert werden. Nach der Instandsetzung wird die Röhrenkolben wieder zusammengeschweißt und neu evakuiert. So können defekte Silica-Röhren sehr einfach repariert und wiederverwendet werden.
Der Silica-Röhrenaufbau wurde hauptsächlich für Senderöhren, aber auch einige Leistungsgleichrichter verwendet.

Für Sammler zählen die Silica-Röhren heute zu den schönsten Röhren - Auf Grund der, durch die Handarbeit bedingten, geringen Fertigungsstückzahlen, leider auch zu den Seltensten.


Ein Beispiel für die Silica-Röhren ist die NT59A:

Die Röhre ist mit einer geflochtenen Molypdän-Anode ausgestattet, was auf eine Herstellung um bzw. nach 1930 hinweist. Der elektrische Aufbau der NT59A ist eine direkt geheizte Leistungstetrode, wobei die Elektroden an beiden Seiten aus dem Glaskolben herausgeführt sind. Die Röhre wurde mit einer Anodenspannung von 10 KV und einer Anodenverlustleistung von bis zu 1,75 kW betrieben werden. Die direkte Heizung war für eine Spannung von 8,5 V mit ca. 20,5 A ausgelegt.