Bereich: Technik  
     
     

Nuvistor
Durch die Erfindung des Halbleitertransistors im Jahr 1947 und seinen nachfolgenden Siegeszug, wurden die Röhren vielfach durch Halbleiter verdrängt. Ende der 1950er Jahre als der Halbleitertransistor in allen Bereichen der Elektronik Einzug gehalten hatte und das Ende der Röhrenära bereits absehbar war stellte die amerikanische RCA einen völlig neuen Röhrentyp, den sognannten Nuvistor vor. Der Nuvistor war eine Triode ähnlich einer herkömmlichen Röhren, die jedoch eine neuartige Konstruktion, ohne Glas und Glimmer, besaß.


Die Grösse war mit einem Duchmesser von ca. 11 mm und einer Höhe von rund 20 mm vergleichbar einem damals üblichen Halbleitertransistor.
Der Nuvistor besteht aus einer keramischen Bodenplatte die fünf Anschlussstifte trägt und auf denen das System stehend aufgebaut ist. Über Bodenplatte mit dem System, wird ein Edelstahlbecher, der auch als Abschirmung des Systems dient, gestülpt und mit dem Unterteil verschweist.
Später stellt die RCA auch Nuvistor-Tetroden vor, bei denen der Edelstahlbecher die isolierte Anode trägt und damit die Bauhöhe auf ca. 26 mm vergrößert.
Alle Metalldurchführungen durch die keramische Bodenplatte sowie die Verbindung zwischen Bodenplatte und Edelstahlbecher werden unter einer Wasserstoffatmosphäre bei Temperaturen von über +900°C verbacken. Eine Getterung der Nuvistoren ist nicht notwendig, da diese keine Glas und Glimmerteile enthalten .
Die Bezeichnung "Nuvistor" geht wahrscheinlich auf die Wortschöpfung: "Nueva vista" (Neue Sicht) zurück und sollte die neuartige Konstruktionsweise verdeutlichen.

Die extrem kleine Bauweise des Triodensystems und die kurzen Anschlussstifte ermöglichten die Konstruktion von Trioden mit sehr hohen Steilheiten, die bei herkömmlichen Röhren mit Novalsockel oder Subminiaturröhren grosse Schwierigkeiten bereiteten.
Die Möglichkeit den Nuvistor auch bei sehr extremen Temperaturen und in grossen Höhen einsetzen zu können sowie die enorme Stoß- und Vibrationsfestigkeit waren weitere Vorteile dieser Konstruktion.
Den hauptsächlichen Einsatz fanden Nuvistoren im VHF- und UHF-Bereich in Oszillator- und Mischstufen sowie als Signalverstärker. Ein weiteres Einsatzgebiet von Nuvistoren waren Messgeräte, wie beispielsweise Oszillographen.
Ab 1961 wurden durch die Firma Siemens auch in Deutschland Nuvistoren hergestellt. Diese waren hauptsächlich für den Einsatz in Antennenverstärkern vorgesehen. Die Abbildung rechts zeigt das System eine 7586 Nuvistortriode von Siemens.


Foto und Zeichnung: Fa. Siemens
Technische Mitteilungen "Nuvistortriode 7586"

Basierend auf der Nuvistorkonstruktion wurde von Siemens auch eine sehr kleine Scheibentriode, mit der Bezeichnung EC1010 entwickelt. Obwohl es sich hierbei um keinen echten Nuvistor handelt, wird diese in Datenbüchern häufig den Nuvistoren zugeordnet. Ausser in Amerika und Deutschland wurden Nuvistoren auch in der damaligen Sowjetunion und in Japan hergestellt. Die russischen Nuvistoren besaßen anstatt eines Stecksockels längere Drahtanschlüsse und wurden direkt in die Schaltung gelötet. Durch diese Konstruktion wurde eine weitere Reduzierung der Anschlusskapazitäten und des Gewichts möglich, die Rüttelfestigkeit durch den Verzicht auf den Stecksockel erhöht. Die russischen Nuvistoren wurden neben kommerziellen Anwendungen wie Messgeräten vor allem im militärischen Flugzeugbau eingesetzt.
Für den militärischen Einsatz war die hohe Beständigkeit von Nuvistoren gegenüber elektromagnetischen Impulsen ausschlaggebend. Zur Zeit des kalten Kriegs waren Nuvistoren im militärischen Bereich die einzigen vefügbaren Verstärkerbauteile die dem elektromagnetischen impuls einer atomaren Explosion widerstehen konnten. So wurden in der Sowjetunion bis in die 1980er Jahre Nuvistoren im militärischen Flugzeugbau eingesetzt.

Das wohl letzte bekannte Einsatzgebiet von Nuvistoren war in den Vorstufen hochwertiger, röhrenbestückter HiFi-Verstärker in den 1990er Jahren.

Eine Auflistung von Nuvistoren erhalten Sie auf dem Röhrenindex: Nuvistoren.