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Vorbemerkung

Auf den nachfolgenden Seiten werden vornehmlich Verstärkerröhren für den Einsatz in Rundfunk und Fernsehgeräten betrachtet. Auch wenn einige Aussagen auf andere Röhrentypen und Spezialröhren anwendbar sind, sind die Aussagen unter Umständen nur bedingt gültig, da diese Röhren andere Anwendungsgebiete und Einsatzszenarien entwickelt wurden. Die Grundlage für die Beschreibungen und Aussagen bilden die Veröffentlichungen der Firma Telefunken.

Die Eigenschaften von Röhren werden in Form technischer Daten in den sogenannten Datenblättern beschrieben. Diese Datenblätter bestehen meist aus einer oder mehrerer Seiten und können teilweise aber auch den Umfang kleine Bücher mit 20 und mehr Seiten erreichen. Häufig werden die Röhren nicht nur hinsichtlich Ihrer mechanischen und elektrischen Daten beschrieben, sondern auch verschiedene Betriebsarten und einzelne Musterapplikationen behandelt.
Die elektrotechnischen Kenndaten werden in Form von Messwerten, Betriebswerten und Grenzwerten sowie mit Hilfe von Kennlinien beschrieben. Diese Messwerte, Betriebswerte und Kennlinien stellen die durch die Produktionsstreuung bedingten Mittelwerte für fabrikneue Röhren dar. Die Grenzwerte beschreiben die vom Hersteller festgelegten Grenzen, die nicht, oder nur in definierten Ausnahmefällen überschritten werden dürfen.
Die in Applikationen angegebenen Werten beziehen sich ausschließlich auf die betreffende Applikation und haben keine allgemeine Gültigkeit. Darüber hinaus werden manchmal auch die produktionsbedingten Streuungsbreiten, sowie die Werte die das Ende der Lebensdauer einer Röhre kennzeichnen angegeben.
Bei den Angaben zu den Abmessungen ist zu beachten, daß diese häufig nur die Röhre ohne jegliche Anschlußbauteile, wie Anodenkappen oder Fassungen, berücksichtigen. Diese müssen zusätzlich zu den reinen Röhrenabmessungen mit eingerechnet und für den Einsatz berücksichtigt werden.


Einige Hersteller ergänzen die Datenblätter durch zusätzliche Logos oder an die Typenbezeichnung angehängte Buchstaben, die auf spezielle Eigenschaften wie Zuverlässigkeit, Stoss- und Vibrationsfestigkeit, enge Toleranzen und langer Lebensdauer oder einen speziellen Einsatzzweck hinweisen sollen. Der Hersteller Telekfunken kennzeichnete beispielsweise seine Verstärkerröhren mit "To" für enge Toleranzen und "LL" für eine lange Lebensdauer.

Im Allgemeinen bescheiben die Messwerte die Eigenschaften der Röhre ohne äussere Bauteile und Schaltelemente in den Elektrodenzuleitungen. Eine Ausnahme bilden Röhren für den Betrieb zwingend externe Bauteile, wie beispielsweise einen Katodenwiderstand benötigen, beziehen sich die Messwerte auf die im Datenblatt angegebene Meßschaltung.
Bei den Mess- und Betriebswerten sind die für die Einstellung massgebenden Messwerte meist hervorgehoben, beispielsweise durch Fettdruck, während die übrigen Werte normal gedruckt werden. Die Messwerte die sich aus den anderen Bertiebswerten ableiten, sowie schaltungsabhängige und dynamische Werte sind meist kuriv gedruckt. Zu den dynamischen Werten gehöhren beispielsweise die Steilheit, der Verstärkungsfaktor oder auch der Innenwiderstand einer Röhre.

Die Betriebswerte enthalten die Richtwerte die ein optimales Betriebsverhalten in typischen Schaltungen gewährleisten. Weiterhin werden damit zusammenhängende Einstellungen und Eigenschaften für die empfohlenen Einsatzgebiete der betreffenden Röhre beschrieben. Soll von diesen Betriebswerten abgewichen oder die Röhre für einen anderen Anwendungszweck eingesetzt werden, muss darauf geachtet werden, dass die Grenzwerte zu keinem Zeitpunkt überschritten werden.

Die Grenzdaten geben die für den Betrieb der Röhre zulässigen Maximalwerte für den bestmöglichen Kompromiss zwischen Leistungsausnutzung und Lebensdauer an. Diese Grenzwerte sind keine absoluten Werten und können unter bestimmten Bedingung überschritten werden.
Nur die als "absoluter Grenzwert" gekennzeichneten Grenzwerte dürfen unter keinen Umständen überschritten werden. Ein einzelner Grenzwert darf auch dann nicht überschritten werden, wenn die anderen Betriebswerte weit unter ihrer Grenzwerten liegen. Die Überschreitung eines Grenzwerts kann zu Schäden an der Röhre und eine Reduzierung der Lebensdauer führen.
Für die Einhaltung der Grenzwerte müssen auch die Umgebungsbedingungen der Röhre, wie Bauteiletoleranzen oder Schwankungen der Betriebsspannung berücksichtigt werden.


Die rasante Entwicklung der Röhrentechnik brachte innerhalb kurzer Zeit viele neue Röhrenausführungen und Bauarten. So war es unvermeidlich, daß technisch sehr ähnliche Röhren von verschiedenen Herstellern zeitgleich entwickelt wurden und unter unterschiedlichen Bezeichnungen auf den Markt kamen. Andererseits wurden identische Bezeichnungen für völlig unterschiedliche Röhren benutzt. Die großen Abnehmer wie die Post oder das Militär begegneten dem zunehmenden Problem mit der Vergabe eigener Bezeichnungen.
Doch selbst bei augenscheinlich baugleichen Ausführungen einer Röhre bestanden zwischen einzelnen Herstellern oft wesentliche Unterschiede. Die Röhren unterscheiden sich beispielsweise in der Bauart, den produktionsbedingten Streuungen oder auch der Betrachtung der Toleranzen und Sicherheitseserven durch den betreffenden Hersteller.
Die Unterschiede sind zwar meist aus den Datenblättern ersichtlich und die verbreiteten Haupttypen, speziell bei Empfänger- und Verstärkerröhren, waren sehr ähnlich; Dennoch mussten die Unterschiede beim Austausch einer Röhre, gegen die Ausführung eines anderen Herstellers, beachtet werden und konnte mit Schwierigkeiten wie einem notwendigen Neuabgleich des Schaltung oder auch dem kleineren Umbau des Geräts verbunden sein.


Auf den nachfolgenden Seite werden die Daten aus den Datenblättern genauer betrachtet.
 
  1. Grenzdaten
  2. Heizung
  3. Datenblattangaben zu Spannungen und Kapazitäten
  4. Mikrophonie, Brumm und Rauschen
  5. Einbaulagen
  6. Kühlung