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Amerikanische Röhrennachbauten aus dem Oberspreewerk / Berlin (OSW)


Beriets vor dem II. Weltkrieg wurde Russland von den Amerikanern durch Schiffskonvois mit elektronischen Geräten und Röhren beliefert. Die zu dieser Zeit bestehenden russische Eigenentwicklungen wurden schnell durch die amerikanischen Röhren mit Oktalsockel vom Markt verdängt.
Als nach Kriegsende die Lieferungen der Amerikaner eingestellt wurden, entstand schnell ein gewaltiger Bedarf an Ersatzröhren, der durch öhren im eigenen Land nicht gedeckt werden konnte. Andererseits war die Entwicklung eigener Röhren durch den bedeutenden Markanteil amerikanischer Röhren vernachlässigt worden.

Mit der Kapitulation Deutschlands übernahmen die Siegermächte die wenigen noch in Deutschland vorhanden industriellen Einrichtungen. Viele Anlagen wurden unmittelbar nach Kriegsende demontiert und auf das jeweils eigene Staatsgebiet verlagert. Einige Einrichtung verblieben jedoch in Deutschland und wurden unter Leitung der Besatzungsmächte weiterbetrieben bzw. nach Behebung der Kriegsschäden wieder in Betrieb genommen.

Um dem im eigen Land stetig steigenden Bedarf an amerikanischen Röhren entgegenzuwirken veranlasste die sowjetische Besatzung bereits kurz nach Kriegsende den Nachbau amerikanischer Röhren im Oberspreewerk (OSW). Neben dem OSW in Berlin wurden auch anderer Fertigungsstätten im sowjetischen Besatzungsgebiet zum Nachbau amerikanischer Röhren angewiesen.

Neben den amerikanischen Verstärkerröhren wurden im sowjetischen Besatzungsgebiet, auch komplette Fernsehempfänger, als Reparationsleistungen gebaut. Diese Geräte wurden ebenfalls mit den in den Sowjetunion gebräuchlichen Röhrentypen, d.h. amerikanischen Röhren bzw. deren Nachbauten ausgestattet. Zu diesem Zeitpunkt entsprechen jedoch viele der Stahlröhren nicht mehr dem Stand der Technik und waren in Amerika schon durch Weiterentwicklungen ersetzt worden.

Die in den folgenden Jahren wurde im Oberspreewerk mit der Neuentwicklung und Herstellung eigener Röhren begonnen. Diese ersten Röhren entsprachen elektrisch den amerikanischen Stahlröhren, hatten jedoch an statt des Stahlkolbens einen Glaskolben der mit einem Metallblech abgeschirmt war. Der Oktalsockel der amerikanischen Originale wurde ebenfalls beibehalten.

Die Bezeichnungen der Röhren aus dem Oberspreewerk war sehr uneinheitlich und offensichtlich vom beabsichtigen Einsatzzweck der sowjetischen Besatzung abhängig. Teilweise wurden die Röhren mit zwei oder drei verschiedenen Bezeichnungen bedruckt, wobei manchmal zusätzlich die Entwicklungsnummer des Oberspreewerks angegeben wurde.

In den Jahren 1950-1951 standen bereit wieder russische Eigenentwicklungen zur Verfügung, wodurch der Bedarf an amerikanischen Nachbauröhren zurück ging. Die Amerikaröhrenproduktion wurde ab 1952 nur noch im Röhrenwerk Mühlhausen mit einigen Typen für Nachbestückungen weitergeführt. Rund 10 Jahre später stellte man auch dort die Produktion der sogenannten Amerikaröhren völlig ein.