Bereich: Technik  
     
     

THALES Electron Devices GmbH

 


Heute blicken wir auf eine über 100jährige Geschichte der Elektronenröhren zurück. Nachdem um das Jahr 1900 die entscheidenden Erfindungen gemacht waren, begannen viele Unternehmer mit der Umsetzung der Entwicklungen und der Weiterentwicklung zu marktgerechten Produkten. In den Folgejahren wurden viele neue Unternehmen gegründet, einige schlossen sich zu größeren Unternehmen zusammen, andere verkauften Ihre Entwicklungen und verschwanden wieder vom Markt.
Vor diesem Hintergrund muss auch das im Jahr 2000 gegründete und damit sehr junge Unternehmen Thales betrachtet werden. Der Ursprung von Thales liegt in dem 1897 von Elihu Thomson gegründeten Unternehmen, das durch eine Vielzahl von Zukäufen und Übernahmen heute zu einem der größten Rüstungs- und Elektronikkonzerne geworden ist.
Unter den vielen Übernehmen finden sich auch große Namen wie AEG, Saba, Normende, RCA, Siemens oder Telefunken.

1895 entdeckte Conrad Röntgen, dass beim Auftreffen von Elektronenstrahlen auf Metall, Strahlen entstehen die feste Materie durchdringen können. Bereits ein Jahr später wurde bei der AEG die erste Röntgenröhre hergestellt
Aus der Grunderfindung der Röhre entstanden, durch Hinzufügen eines Steuergitters, bereits um das Jahr 1906 die ersten gittergesteuerten Röhren, wie die Lieben-Röhre. Diese waren wiederum die Grundlage für weitere Entwicklungen und die erste Serienproduktionen von Verstärkerröhren um 1910.
Angetrieben durch die militärische Nutzung der Kommunikationstechnik steigt auch Bedeutung der Elektronenröhre bzw. der dafür entwickelten Sende- und Empfangsröhren. Bereits im Verlauf des ersten Weltkrieges kamen Röhren in grosser Stückzahl zum Einsatz. Nach dem Krieg fanden diese in der zivilen Rundfunk- und Telefonietechnik auf breite Verwendung.

Mit dem Aufkommen des Hörfunks konnten sich mehrere Unternehmen mit der Konstruktion von gittergesteuerten Röhren m Markt durchsetzen. Darunter auch die aus dem 1897 von Elihu Thomson gegründeten Unternehmen entstandenen Unternehmen CSF, deren Tochtergesellschaft SFR sowie die CFTH mit dem zu ihr gehörigen Glühlampenhersteller Compagnie des Lampes Mazda.
Die Einführung des Hörfunks in Jahr 1923 führte zu einer stürmischen Weiterentwicklung in der Röhrentechnik und stark steigenden Produktionszahlen bei den Verstärkerröhrem.
In den dreißiger Jahren leistete Maurice Ponte entscheidende Beiträge zur Entwicklung des Magnetrons, das später die Grundlage für die französische Radarindustrie legten. Bereits im Jahr 1938 wurde ein von Maurice Ponte entwickeltes Magnetron auf dem Ozeanriesen “Normandie” eingesetzt und selbst die ersten Versionen des französischen Düsenjägers “Mirage”, Ende der 1950er Jahre, waren Magnetfeldröhren auf Basis der Entwicklungen von Maurice Ponte eingesetzt.
Die zu dieser Zeit aufgekommenen Fernsehtechnik, im Besonderen die hierfür benötigten Bildröhren, bewirkten auch eine beschleunigte Entwicklung der Radartechnik , da diese dort zur optischen Wiedergaberöhren der Abtastsignale eingesetzt wurden. Die Bildröhre selbst geht auf die 1897 von Ferdinad Braund entwicklete, sog. Braunsche Röhre, zurück..

In den 1930er Jahren setzte sich das Fernsehen, als das neue Massenmedium, durch und veranlaßte CFTH zur Produktion von Bildaufnahme- und Bildwiedergaberöhren. Hierfür wurden Partnerschaften den amerikanischen Unternehmen: General Electric, EMI, PYE sowie der RCA geschlossen
Die Entwicklungen von CFTH und CSF legten den Grundstein für die führende Marktposition des Unternehmens in der Radio- und Fernsehröhrentechnik. Die ersten Radarröhren und Bildverstärkerröhren, für den Einsatz in Nachtsichtgeräten, kamen bereits im 2. Weltkrieg zum Einsatz.
Nach dem Ende des 2. Welktriegs wurden auch viele Produktionsstandorte in Deutschland, wie beispielsweise die Empfängerröhrenfertigung der AEG in Ulm übernommen und ausgebaut. So wurde nach der Erfindung des Halbleitertranssitors im AEG-Werk Ulm im Jahr 1951 mit dem Aufbau einer eigenen Halbleiterentwicklung begonnen.
Die Röhrenentwicklung und -herstellung wurde hierdurch jedoch nicht aufgegeben. Ab 1980 wurden im Werk Ulm technische Röhren, industrielle Schaltröhren, LCD-Anzeigen und Identifikationssysteme sowie Bild-, Röntgen- und Mikrowellenröhren hergestelt.
Im Jahr 1952 wurde die Produktion von Oszillographenröhre auf die Serienproduktion von Schwarz-Weiß-Fernsehbildröhren ausgeweitet. Als diese beiden Produktionen 1977 eingestellt wurden, konnte man auf stattliche Produktionszahlen von über 100 Millionen produzierte Empfängerröhren und 15 Millionen Bildröhren zurückblicken.
Mit der Patenterteilung für das von Walter Bruch bei Telefunken in Hannover entwickelte PAL-Farbfernsehsystem in Jahr 1962, begann der Siegeszug des Farbfernsehens. Nachdem sich das PAL-System bereits 1964 als Standard durchsetzten konnte, begann man mit der Herstellung von Farbbildröhren. Auch die Bildaufnahme und -wiedergabetechnik erfuhr durch die ab 1974 entwickelten CCD-Sensoren und die 1969 vorgestellten Plasmabildschirme und tiefgreifende Veränderungen. Neue Möglichkeiten für die medizinische Bildgebung eröffnen sich mit den ab 1986 entwickelten Festkörperdetektoren, die die bisherigen Lösungen mit Bildwandler- und Bildaufnahmeröhren ersetzten.

Das Farbbildröhrenwerk wurde 1980 an das Unternehmen Thomson-Brandt abgegeben. Bis dahin waren in dem Produktionswerk über 5,5 Millionen Farbbildröhren hergestellt worden. Die komerziellen BIldröhren wurden noch bis 2001 von Thomson hergestellt. Nach einer im Jahr 2000 durchgeführten strategischen Analyse des Produktportfolios beschloss man, dass Bildröhren (CRTs) generell nicht mehr zu den Kernprodukten gehören. Thomson trat in Verhandlungen mit dem indischen Unternehmen SAMTEL zur Gründung eines Joint Ventures. Am 1. Juli 2001 erfolgte der Betriebsübergang der Bildröhren-Sparte auf die SAMTEL Electron Devices GmbH.

Um das Jahr 1950 gewannen schließlich Wanderfeldröhren als Verstärkerröhren für den Einsatz in Richtfunkstrecken eine wachsende Bedeutung. Eine der ersten Röhren dieser Bauart war die TL4, deren konsequente Weiterentwicklung bis Ende der 1960er Jahre zu den ersten Wanderfeldröhren für die Raumfahrt und Satellitentechnik führte. Eine dieser Wanderfeldröhren war die, in voll integrierter Bauart hergestellte, TL4003. Die mit der Weiterentwicklung der Wanderfeldröhren gewonnen Erkenntnisse wurden auch auf andere Richtfunk-Verstärkerröhren übertragen.
So konnte CSF im Jahr 1953 mit dem Einsatz der neuene Wanderfeldröhren, die Krönung Elisabeths II in England per Richtfunk über den Ärmelkanal nach Frankreich zu übertragen.
Gleichzeitig entwickelte man bei CSF die ersten Hochleistungsklystrone. 1952 erfand Epsztein das Carcinotron (Rückwärtswellenröhre), eine Oszillatorröhre zur Erzeugung von Schwingungen im cm und mm-Bereich.
Auf Basis von Technologien des amerikanischen Unternehmens Varian entwickelte CFTH im Rahmen des NATO-Programms “Nadge” im Jahr 1965 leistungsfähige Radarklystrone für den Einsatz in den MPR-Radaranlagen.

Im Jahr 1950 erfand C. Beurtheret bie CFTH das Vapotron, eine durch Verdampfung gekühlte Röhre, für den Einsatz in Rundfunksendern. Die ursprünglich für klassische Gitterröhren entwickelte Vapotron-Technik
wurde später auf Mikrowellenröhren übertragen, um von vielen anderen Herstellern weiterentwicklet. So entstanden das Super- und Hypervapotron.
In den sechziger Jahren wird bei CFTH das Pyrobloc-Gitter entwicklet, das den Bau von Röhren mit deutlich höherer Lebensdauer, Bandbreite sowie Leistung und Zuverlässigkeit ermöglicht.
Im Jahr 1956 übernimmt CFTH die Röhrenproduktion der französischen Firma Outillage RVB-Radio Industrie und entwickelte dort unter der Leitung von L.F. Guyot Bildverstärkerröhren für die Röntgentechnik.

Mit dem Zusammenschluss der CFTH und CSF im Jahr 1968 entstand schließlich die Thomson-CSF. Durch den Zusammenschluss konnten die Aktivitäten in den Bereichen der Röhrenentwicklung und -produktion optimiert und die bestehenden Verträge mit den amerikanischen Unternehmen gekündigt werden.
EIn erstes großes Projekt war die gemeinsame Entwicklung von Wanderfeldröhren für die Weltraumtechnik. Bereits 1972 konnte die erste Röhre in einer Satelliten-Bodenstation in Betrieb genommen werden und 1976 wurde der erste Satellit mit einer Thomson-CSF Wandeerfeldröhren ins All geschossen.
Diese frühen Wanderfeldröhren erreichten im Nachrichtensatelliten TELSTAR einen Wirkungsgrad von etwa 15 %. Durch die kontinuierliche Forschung und Weiterentwicklung erreichen die heutigen Wanderfeldröhren von Thales eine Wirkungsgrad von über 70 %. Diese hochmodernen Wanderfeldröhren werden unter anderem im ehemaligen AEG-Röhrenwerk in Ulm produziert.

Gegen Ende der siebziger Jahre wurde mit der Entwicklung des Gyrotrons, einer Schwingungsgeneratorröhre mit höchsten Leistungswerten, ein weiterer Meilenstein geschaffen. Diese Gryotron eröffneten völlig neue Perspektiven im Bereich der Hochleistungsgeneratoren für Anwendungen in der Industrie und Rüstung.

Ab den 1980er Jahren wurde der Thomson-Konzern durch weitere Zukäufe immer mehr zu einem Luft- und Raumfahrtkonzern, in erster Linie in der Rüstungsindustrie. Im Jahr 1998, als der franzöische Staat sich langsam aus der Industrie zurückzog und seine Anteile abgab, wurden die Rüstungssparten von Alcatel, Dassault Electronique und Thomson CSF zu einem neuen Großkonzern zusammengeführt. Im Sommer 2000 wurde Rcal Electronics, einer der größten englichen Elektronikkonzerne übernommen. Ende des Jahres 2000 wurde der Konzern schließlich in Thales umbenannt. Es folgten weitere Zukäufe von ABB, Siemens, Bombadier und eingen anderen,die Thales zu einem Weltkonzern aufsteigen liesen.

Am 18. April 2002 wird die THALES Electron Devices GmbH (TEDG), als 100%ige Tochtergesellschaft der THALES Holding GmbH in Stuttgart, der Dachgesellschaft der THALES Firmen in Deutschland, gegründet. Bis zu diesem Zeitpunkt lagen Besitzverhältnisse und das Management alleine bei der THALES Electron Devices S.A. (TED) mit Sitz in Vélizy. Die Besitzübertragung an die deutsche Holding ist Teil der organisatorischen Restrukturierung des Gesamtkonzerns.
Die TEDG entwickelt und produziert im ehemaligen AEG-Röhrenwerk Ulm Wanderfeldröhren (TWT: Travelling Wave Tubes), die hauptsächlich in der Raumfahrt für die Telekommunikation und an Bord von Satelliten, aber auch für militärische Anwendungen wie das Radar eingesetzt werden. Die Produkte werden in Deutschland direkt durch die THALES Electron Devices GmbH vertrieben, für den Vertieb ins Ausland nutzt man das weltweite Vertriebsnetz des Thales-Konzerns.

Die Thales Group ist heute ein internationales Unternehmen mit Schwerpunkten in der Elektronik, Luft- und Raumfahrt sowie Rüstungs- und Informationstechnologie.