Bereich: Technik  
     
     

Telefunken


Um die Jahrhundertwende arbeiteten in Deutschland zwei Gruppen an der Entwicklung von Verfahren zur drahtlosen Nachrichtenübermittlung. Eine Gruppe um Adolf Slaby und Georg Graf von Arco entwickelte im Auftrag der deutschen Marine für die AEG, während die andere Gruppe um Karl Ferdinand Braun im Auftrag des deutschen Heeres für Siemens arbeitete.
Da beide Gruppen auf dem gleichen Sachgebiet forschten, waren Streitigkeiten um Techniken und Verfahren an der Tagesordnung. Als Streitigkeiten immer heftiger wurden und sich auch die beiden Unternehmen um die Patente zu streiten begannen, schaltete sich Kaiser Wilhelm II in den Streit ein. Auf Drängen des Kaisers gründeten beide Unternehmen am 27. Mai 1903 das Gemeinschaftsunternehmen Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m. b. H., in das beide Unternehmen die strittigen Patente und Techniken einbrachte. Als Erster technischer Direktor von Telefunken wurde Georg Graf von Arco.
Am 17. April 1923 wurde die Gesellschaft in Telefunken, Gesellschaft für drahtlose Telegraphie umbenannt - Telefunken war die Telegraphenadresse der Gesellschaft.

Mit dem gemeinsamen Unternehmen Telefunken wurden Kenntnisse und Aktivitäten von Siemens & Halske und AEG zusammengeführt, um die Funk- und Nachrichtentechnik für die zivile Schifffahrt, das Militär und die interkontinentale Nachrichtenübermittlung weiterzuentwickeln und zu vermarkten. Die Produktion wurde nach einem Verteilungsschlüssel in den Werkstätten der beiden Muttergesellschaften vorgenommen. Der Firmensitz befand sich in Berlin-Kreuzberg, Hallesches Ufer 30. Durch die Bündelung konnten beide Unternehmen mit Telefunken den Weg für die Einführung des Rundfunks in Deutschland bereiten. So waren pünktlich zur Einführung des öffentlichen Rundfunks im Oktober 1923 eigene Sende- und Empfangsgeräte für den Rundfunk verfügbar.
1932 gegründete Telefunken das Tochterunternehmen Teldec für die Herstellung und den Vertrieb von Schallplatten und Tonbändern. Bis zum Verkauf im Jahr 1987 war Teldec einer der größten deutschen Schallplattenkonzerne.
Ab 1936 begann Telefunken an eigenen Produktionsstätten in Berlin zu produzieren.

Während des zweiten Weltkrieges war Telefunken ein wichtiger Lieferant von Röhren und Funkgeräten. Telefunken entwickelte ein Richtfunknetzes für die Wehrmacht und war am Bau diverser Radaranlagen und Peilergeräte beteiligt. Telefunken verfügte zu dieser Zeit über zahlreiche Produktionsstätten im Raum Berlin, in Thüringen, Sachsen, Mähren, Schlesien sowie auf Rügen. Auch in den besetzten Gebieten des Baltikums und Polens wurden Werke errichtet in denen auch mit Zwangsarbeitern gearbeitet wurde. Das Röhrenwerk Lodz wurde 1944 im Zuge des deutschen Rückzug komplett mit der Belegschaft nach Ulm verlegt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden neue Standorte für Entwicklung und Produktion errichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Produktionsstätten soweit möglich in den Westen des geteilten Deutschlands verlagert und die dort bereits bestehenden weiter ausgebaut. Der Firmensitz wurde in Berlin-Kreuzberg am Mehringdamm untergebracht. In der 1950er Jahren war Telefunken mit drei Geschäftsbereichen: Nachrichten- und Datentechnik, Bauelemente sowie Rundfunk, Fernseh- und Phonotechnik aktiv. Während seiner Eigenständigkeit als auch später im AEG-Konzern hatte Telefunken ansehnliche Erfolge auf allen drei Geschäftsfeldern und war insgesamt erfolgreicher der Mutterkonzern AEG. 1958 bezog Telefunken das neu errichtete Telefunken-Hochhaus in Berlin-Charlottenburg am Ernst-Reuter-Platz von wo aus das Unternehmen bis zur Übernahme durch die AEG 1967 geleitet wurde.
So errichtete Telefunken 1959 ein modernes Halbleiterwerk in Heilbronn, in dem ab April 1960 produziert wurde. Das Werk wurde in den Folgejahren mehrfach erweitert und beschätigte 1970 ca. 2500 Mitarbeiter.

Als 1967 das Farbfernsehen in Deutschland eingeführt wurde, war Telefunken maßgeblich beteiligt. So wurde das herfür genutzte PAL System unter Federführung des Ingenieurs Walter Bruch bei Telefunken in Hannover entwickelt. Im Gegensatz zu dem 1953 in den USA eingeführten Farbsystems NTSC war PAL das deutlich bessere System, bei dem auch Farbtonänderungen während der Übertragung automatisch korrigiert wurden.

Die wirtschaftliche Schwierigkeiten des AEG-Konzerns gegen Ende der 1960er Jahre führten letztlich zu einer Fusion der Telefunken mit dem Mutterkonzern AEG. Die Geschäftsführung der neuen AEG-Telefunken AG wurden am bisherigen AEG Unternehmenssitz in Frankfurt am Main weitergeführt.
Der Untergang der Weltmarke Telefunken war damit besiegelt.
Ab 1970 wurden Telefunken-Geschäftsfelder Zug um Zug von der AEG verkauft. Ein als letzter Rettungsversuch im Frühjahr 1982 durch die Gründung eines Joint-Venture-Unternehmens der Telefunken Bauelemente GmbH mit dem US-Konzern United Technologies Corporation scheiterte am Vergleichsverfahrens der AEG im August 1982.

Einige Geschäftsfelder von Telefunken, die AEG vor dem Vergleichsverfahren verkaufte, werden noch heute in Nachfolge-Unternehmen erfolgreich weitergeführt, die meisten sind zwischenzeitlich vollständig vom Markt verschwunden.

Der Geschäftsbereich um die bei Telefunken in Konstanz entwickelten Großrechner-Baureihen TR 4 und TR 440, die zwischen 1970 bis 1985 an vielen deutschen Universitätsrechenzentren im Einsatz waren, wurde 1974 an die Computer Gesellschaft Konstanz (CGK) abgegeben. Der restlichen Rechner und Prozessrechner, wie beispielsweise die TR 84, TR 86, AEG 80-20, AEG 80-60 wurden in den AEG-Geschäftsbereich Automatisierungstechnik überführt und 1980 von ATM Computer GmbH übernommen.

Die Nutzungsrechte von ausgegliederten bzw. verkauften Geschäftsbereichen am Firmenname Telefunken sind 2005 erloschen. Auch die Telefunken SenderSysteme Berlin AG musste 2005 ihren Namen ändern und ist seither als Transradio SenderSysteme Berlin AG am Markt. Der neue Unternehmnesname Transradio lässt sich bis auf das Jahr 1918 zurückverfolgen. Transradio erlangte 1919 mit der Einführung des Duplex-Verfahrens für Funkverbindungen weltweite Anerkennung. Heute hat sich Transradio auf die Forschung, Entwicklung und Konstruktion von AM-/FM- und DRM-Sendern spezialisiert.

Die Namens- und Markenrechte liegen heute bei der Telefunken Holding AG, einer hundertprozentigen Tochter der Live Holding AG, einer Gesellschaft des früheren Lufthansa- und Bahnvorstands Hemjö Klein. Der Markenname Telefunken wird auch heute noch verwendet.
So erhielt das türkische Unternehmen Profilo-Telra, einer der größten europäischen Hersteller von TV-Empfangsgeräten, im August 2006 von der französischen Thomson AG die Lizenz, unter dem Markennamen Telefunken TV-Geräte zu vertreiben. Die Thomson AG hatte die Lizenz zur Nutzung des Namens Telefunken von der Telefunken Licenses GmbH erhalten eine hundertprozentige Tochter der Telefunken Holding AG ist.