Bereich: Technik  
     
     

Marconi's Wireless Telegraph Company

Das Unternehmen Marconi wurde von Gugliemo Marconi, einem Pionier der drahtlosen Kommunikationstechnik, im Jahre 1897 unter dem Namen "Wireless Telegraph and Signal Company" gegründet. Im Jahre 1900 wurde das Unternehmen in "Maconi's Wireless Telegraph Company" umbenannt.
Im Jahr 1912 erteilte die britische Regierung Marconi den Auftrag zum Aufbau eines weltumspannenden Netzes von Funkstationen zur Kommunikation mit den weitverstreuten britischen Kolonien. In der Folge der Auftragsvergabe wurden Regierungsmitglieder beschuldigt, auf Grund ihres Insiderwissen um den stark anziehenden Kurs der Marconi-Aktie, diese gekauft und persönlich profitiert zu haben. Damit wurde dieser Auftrag zur Grundlage für die politische Marconi-Affäre in Großbrittanien.

1946 wurde Marconi an das Unternehmen English Electric ("EE") übernommen, das seinerseits 1968 mit General Electric Company (GEC) fusionierte. Der Name Marconi verschwand damit vom Markt.

Mit dem Siegeszug des Internets, gegen Ende des vergangen Jahrtausends, geriet das Unternehmen wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Etwa ab 1998 begannen brittische Investmentbanken durch Zukäufe aus der GEC einen großen international tätigen Telekommunikationskonzern zu bilden. So wurde die RELTEC Corporation in das Unternehmen eingegliedert und Fore Systems in Pittsburgh (USA) übernommen. Hintergrund war, dass diese Unternehmen zu den bedeutenden Herstellern für Netzwerkkomponenten im nordamerikanischen Markt zählten. Mit dem Ankauf weiterer Firmenanteile, u.a. von GPT (England), Marconi SpA (Italien), und der deutschen Bosch Telecom, entstand ein neuer und leistungsstarker Konzern.

In den folgenden Monaten wurden umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb der General Electric Company durchgeführt, doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Viele Firmen- und Anteilskäufe warden ohne jegliche wirtschaftliche Vernunft und ohne gesicherte Refinanzierung getätigt worden, was die GEC stark belastete. Zur Rettung des Konzerns verkaufte die GEC die gesamte Rüstungssparte an British Aerospace und benannte sich in Marconi PLC um. Wahrscheinlich versuchte man mit dem Namen Marconi wieder an die Erfolge früherer Zeiten anknüpfen zu können. Doch auch durch diesen Verkauf war nur eine teilweise Refinanzierung möglich und Marconi PLC blieb weiterhin in finanzieller Schieflage. Als Marconi PLC schließlich im Mai 2002 die Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftjahr offenlegte, wiesen diese einen Verlust von 9,1 Milliarden Euro aus. Dies war der größte Verlust den ein brittisches Unternehmen jemals vorlegt hatte.

Nach brittischem Recht konnte der Bankrott des gesamten Konzerns durch eine sogenannte Restrukturierungsmaßnahme abgewendet werden. Hierbei werden die Aktionäre zugunsten der kreditgebenden Banken enteignet. In den folgenden Jahre gelang es Marconi zwar, die Verluste weiter zu verkleinern, doch auch ein massivem Personalabbau konnte Marconi nicht mehr in die Gewinnzone zurückbringen.
Das Hauptproblem war, dass Marconi zu dieser Zeit faktisch von den Investmentbanken geführt wurde, deren primäres Ziel darin bestand ihre finanziellen Anlagen so schnell wie möglich wieder aus dem Unternehmen zu ziehen. So standen im Unternehmen keine finanziellen Mittel für die Entwicklung neuer Produkte zur Verfügung. Selbst für die Produktion der vorhandenen Produktepalette fehlte häufig das Geld. In der Folge erlitt die Marconi PLC einen ständigen Auftragsrückgang und verlor immer mehr Marktenteile. Als die British Telecom die Lieferverträge mit Marconi nach Ablauf nicht mehr erneuerte, verlor Marconi seinem wichtigsten Großkunden und einen Großteil seines Heimatmarkts.

Am 25. Oktober 2005 kündigte der Konkurrent Ericsson an, Marconi für 1,8 Mrd. Euro zu erwerben und die Mehrheit der Geschäftsfelder zu übernehmen. Die Übernahme wurde am 23. Januar 2006 rückwirkend zum 01. Januar 2006 abgeschlossen. Innerhalb von Ericsson blieb Marconi als Markenname erhalten und auch die übernommenen Geschäftsfelder sollten vorerst als rechtlich selbständige Unternehmen weiter existieren.
Bei Marconi PLC verblieben nach dem Verkauf des größten Teils der Geschäftsfelder vorwiegend Dienstleistungen für den lokalen brittischen Markt. Da Ericsson jedoch auch den Markennamen Marconi erworben hatte, wurde der bei Marconi PLC verbleibende Teil des Unternehmens in Telent PLC umbenannt. Auch die Pensionsverpflichtungen für die Marconi-Mitarbeiter wurden von Ericsson nicht übernommen. Die Pensionsleistungen sowie der verbleibende Anteil aus den 1,8 Mrd. Euro Übernahmesumme sollten neben künftigen Erträgen von telent plc dazu dienen soll, die fälligen Pensionen zu zahlen. Im Gegenzug verpflichtete sich Ericsson der Telent PLC im Service-Bereich eine Vorzugsposition in Großbritannien einzuräumen.

Wenn heute viele Firmen, den Namen "Marconi" in ihrem Firmennamen tragen, liegt die Ursache in den verschiedenen Umstrukturierungen und den Ausgliederungen von Geschäftszweigen aus dem Ericsson-Konzern, die ohne Streichung des ursprünglichen Namens vollzogen wurden. Speziell in Bereich der Rüstungsunternehmen benutzen heute verschiedene Unternehmen den Namen „Marconi“, obwohl sie zu keiner Zeit Beziehungen zur Marconi PLC unterhielten.