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Heinrich Göbel

Johann Heinrich Christoph Conrad Göbel (* 20. April 1818 in Springe; † 4. Dezember 1893 in New York). Göbel wurde als Sohn von Johann Heinrich Christian Göbel und seiner Ehefrau Marie Eleonore Hüper 1818 in Springe in eher ärmlichen Verhältnissen geboren. Sein Vater ein Landschaftsgärtner verdiente neben seiner beruflichen Tätigkeit als Hausierer mit dem Verkauf von Schokolade das notwendige Geld für den Lebensunterhalt.
Heinrich Göbel besuchte die kirchliche Knabenschule in Springe, die er 1832 abschloss. Ab 1834 absolvierte er eine Schlosserlehre und eröffnete 1837 ein nicht besonders erfolgreiches als Uhrmachergeschäft in Springe. In noch vorhandenen Steuerunterlagen aus dieser Zeit wird er ab 1837 als Uhrmacher mit geringen Einkünften geführt.

1844 heiratete Göbel Sophie Lübke aus Springe. Aus der Ehe gingen noch in Deutschland beiden Söhne Ernst August Friedrich (* 13. Dezember 1844), der noch als Säuglich verstarb und Johann Carl (* 8. Juni 1846) sowie die Tochter Marie Sophie (* 30. Juli 1848), sowie in Amerika 11 weitere Kinder hervor. Als Göbels Ehefrau Sophie im September 1887 starb, hatten die beiden insgesamt 14 Kinder, von denen jedoch sieben noch im Säuglings- bzw. Kindesalter verstarben.

Am 13. November 1848 verlies Heinrich Göbel Springe und wanderte mit seiner Familie über Bremen nach Amerika aus. Als er am 31. Januar 1849 mit dem Auswanderer-Segelschiff „J.W. Andrews“ in New York eintraf, gab er als Beruf "Mechaniker" an. Da er auch das Jahr 1837 als Gründungsjahr seines Uhrmachergeschäftes angab, könnte die Berufsbezeichnung Mechaniker auch auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen sein.

Heinrich Göbel eröffnete in der Monroe Street 39, in New York einen Juwelierladen, den er später in die Monroe Street 271 verlegte. Der Laden lief jedoch sehr schlecht und Göbel führte in der Hauptsache nur Uhrenreparaturen durch. Neben dem Betrieb seines Geschäfts befasst sich Göbel auch mit einer Vielzahl technischer Experimenten, wie es in der damaligen Zeit modern war. Um die Anzeihungskraft seines Ladens zu erhöhen, experimentierte er auch mit aus leeren Parfümflaschen hergestellten elektrischen Glühlampen. Diese ersten Glühlampen nutzte er zur Beleuchtung des Schaufensters seines Ladengeschäfts ein - Der erhoffe Erfolg blieb jedoch aus. Wie erfolgreich seine Experimente waren ist nicht geklärt, aber wahrscheinlich setzte einfach die Geldnot seiner Forschung ein Ende.
Nachdem der Verdienst aus dem Juweliergeschäft nicht für den Lebensunterhalt ausreichte, fuhr Göbel bis in die 1870er Jahre regelmäßig mit einem Pferdewagen ins Zentrum New Yorks, um als Schausteller einen Zusatzverdienst zu erwerben. Hierfür verwendete er ein angeblich selbst gebautes ca. 12 Fuß langes Teleskops, welches ihm schnell den Namen "Telescope-Man" einbrachte.

Am 23. März 1865 legte Göbel den Eid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika ab und war fortan amerikanischer Staatsbürger. Das Dokument unterschreib er mit Henry Goebel, seit wann er diesen amerikanischen Namen verwendete ist nicht bekannt.

Ebenfalls im Jahr 1865 meldete Göbel das Patent-Nr. 47.632: „Säumer für Nähmaschinen“ an. Wahrscheinlich hatten ihn seine als Näherin arbeitende Tochter oder ein befreundeter Juwelier, der auch Patente für Nähmaschinentechnik erwarb, sein Intersse an dieser Technik geweckt. Das Patent blieb jedoch wirtschaftlich erfolglos. Als die in der Patentschrift beschriebene Technik 1893 vom Nähmaschinenhersteller Singer verwendet wurde, versuchte Göbel seine Erfindung zu schützen bzw. Kapital aus ihr zu schlagen, scheiterte jedoch abermals.
1872 verlegte Göbel seinen Laden wegen der besseren Geschäftslage in die Grand Street 500 und 1877 in die Grand Street 468. Zu dieser Zeit hatte sich sein Juweliergeschäft einem gut sortierten Laden für Uhren, Schmuck, Optik und Feinmechanik sowie allerlei anderer Dinge entwickelt.

Im Januar 1880 bekam Thomas Alva Edison das US-Patent Nr. 223.898 für eine elektrische Glühlampe mit Kohlefaden in einem evakuiertem Glaskolben zugesprochen. Der darauf einsetzende Boom führte zu einer wahren Gründungswelle von Elektrounternehmen und einem ensprechend hohem Personalbedarf. So erhielt auch der Göbels Sohn Adolph 1881 eine Anstellung bei der American Electric Light Co.. Das Unternehmen, welches ehmalige Mitarbeiter der Edison Electric Light Co. beschäftigte, befasste sich hauptsächlich mit der Entwicklung und Produktion von Glühlampen.

Auf der Suche nach Mitarbeitern für die feinmechanische Konstruktion von Glülampen wurde man auch auf Henry Göbel aufmerksam. Göbel selbst beeidete in den Patentprozessen von 1893 dass Manager der American Electric Light Co. wegen der Elektrolampen in seinem Laden auf ihn aufmerksam wurden. Jedenfalls wurde Heinrich Göbel 1982 als eine Art Berater mit weisungsgebundener Tätigkeit angestellt. Währens seiner Anstellung konstruierte er eine Schneidmaschine für Glühfäden und leistete damit einen entscheidenden Beitrag zur Beseitigung des Fertigungsengpasses bei der Glühfädenherstellung. Die Schneidmaschine wurde auf Basis seiner Unterlagen von Werkzeugmachern der American Electric Light Co. mehrfach nachgebaut. Bereits nach 6 Monaten wurde der Anstellungsvertrag jedoch auf Wunsch Göbels beendet, da er seine Entwicklungen nicht kostenfrei der American Electric Light Co. überlassen, sondern diese selbst vermarkten wollte.

Zusammen mit einem Freund John W. Kulenkamp wollte Göbel direkt am Glühlampengeschäft teilhaben. Mehrere von Kulenkamp finanzierte Patentanmeldungen wurden jedoch zurückgewiesen, da man diese als bereits bekannte Technik ablehnte. Nur das Patent-Nr.: 266.358 zu einem Spiralhalter für den Kohlefaden der direkt aus dem einleitenden stromführenden Platindraht gefertigt ist, war erfolgreich. Verglichen mit den ebenfalls 1882 entwickelten Verbindungen durch Galvanisierung war Göbels Lösung eher unwirtschaftlich. Das Patent konnte entsprechend nicht gewinnbringend vermarktet werden.

Um das Jahr 1880 forschte Göbel unter anderm auch an einer Verbesserung der Geißler-Vakuumpumpe. Die von Ihm im Jahr 1882 patentierte Kurbel- und Einhebel-Kippmechanik (Patent-Nr.: 252.658 vom August 1881) brachte eine große Vereinfachung in der Handhabung der Pumpe. So konnte durch die kippbare Konstruktion und den Rohrverschluss mittels Quecksilber, das den Verschluss je nach Position erzeugte, ein mechanisches Ventil eingespart werden. Da die Geißler-Pumpe im Jahr 1882 jedoch bereits veraltet war, da mit moderneren Vakuumpumpen, wie beispielsweise der Sprengel-Pumpe, eine bessere Vakuumqualität erreichbar war. So blieb auch diese Erfindung Göbels erfolglos.

Um trotz aller Widerstände am Glühlampengeschäft teihaben zu können, versuchte Göbel 1882 mittels einer Ausstellung in seinem Laden Geldgeber für die Produktion seiner Glühlampen zu finden.

Nach einem Bericht der The New York Times hat Göbel 8 Lampen im Schaufenster seines Ladens ausgestellt, die ein weißes, flackerfreies Licht spendeten. Göbel erklärte, dass seine Lampen einen Glühfaden mit dem höchsten bislang erreichten Widerstand hätten, was einen geringen Energieverbrauch im Vergleich zur Lichtausbeute ermögliche. Als Material für den Glühfaden nannte er Schilfgras.
Göbel soll laut dem Bericht auf der Lampenausstellung am 29. April 1882 auch geäußer haben, dass "das elektrische Licht viel älter sei als die Amerikaner glauben. Er selbst habe bereits vor 29 Jahren ein elektrisches Licht erfunden und damit Probleme gehabt, da die Nachbarn an ein Feuer glaubten und die Feuerwehr alarmierten. Ein Professor in Hannover habe bereits vor seiner Auswanderung in die USA ein gutes elektrisches Licht entwickelt, sei aber verstorben, ehe der Aufbau einer Produktion möglich gewesen sei." Ob es sich bei der Erfindung des Professors aus Hannover um eine Glühlampe handelte ist zweifelhaft. Viel wahrscheinlicher ist eine Form von Gasentladungslampe. Die in dem Zeitungsbericht erwähnte Aussage Göbels, er sei im Besitz aller für die Produktion seiner vorgeführten Glühlampe erforderlichen Patente ist falsch, da er zu diesem Zeitpunkt über kein einziges erteiltes Lampenpatent verfügte. Zudem verletzten die vorgestellte Lampen in einigen Punkten die bestehenden Edison-Patente.

Jedenfalls brachten der Patentstreit mit Edison und seine Behauptung er habe bereits in den 1850er Jahren die ersten Glühlampen mit Kohleglühfaden hergestellt und genutzt, Göbel nicht nur in den Vereinigten Staaten sondern auch in Europa einen hohen Bekanntheitgrad ein.

In der Folge versuchten mehrere Glühlampenhersteller in den USA in Patentrechtsstreiten, anhand von Göbels Aussagen die Ungültigkeit des Edison-Patents von 1880 zu beweisen. Hintergrund war jedoch nicht die Unterstützung für Göbel, sondern vielmehr der vom Patentinhaber Edison Electric Light Co. angestrengten Schließung ihrer Produktionen wegen Patentverletzung zu entgehen.

Am 4. Dezember 1893, noch während der laufenden Gerichtsverfahren starb Heinrich Göbel in New York an einer Lungenentzündung. In der Sterbeurkunde wird 504, 6. Avenue, New York als Sterbeort angegeben. Er wurde auf dem Green-Wood Cemetery in Brooklyn beigesetzt.

Alle Patente die Göbel in seinem Leben erworben hatte: für eine Verbesserung von Nähmaschinen (1865), eine Verbesserung der Geißler-Pumpe (1882) sowie eine Technik zur Verbindung von Kohlefäden und Anschlussdraht in der Glühlampe (1882) konnten nicht gewinnbringend vermarktet werden. Auch auf weitere technische Entwicklungen hatten seine Patente keinen Einfluss.

Nach seinem Tod entstanden in Amerika noch einige, teilweise übertrieben ausgeschmückte Legenden über seine Person und Erfindungen. Diese wurden wahrscheinlich von Unternehmen die sich mit der Edison Electric Light Co. in Patentstreitigkeiten befanden in Umlauf gebracht. Als der letzte Patentprozess zwischen der Edison Electric Light Co. und den patentverletzenden Glühlampenherstellen im Januar 1895 abgeschlossen war, interessierte sich niemend mehr für Göbel. Die Geschichten um Heinrich Göbel gerieden schnell in Vergessenheit.

Um das Jahr 1911 entwickelte sich in Deutschland noch einmal eine eigenständige Legende um Göbel, die ihn zum „einzigen und alleinigen Erfinder der Glühlampe“ machte. Diese Legende widerspricht jedoch den eigenen Aussagen Göbels, der nie behauptet hatte der alleinige Erfinder zu sein.

Bis heute historisch nicht vollständig geklärt, welchen Anteil Göbel an der Entwicklung der Glühlampe hatte. Sicher ist jedoch, daß er einer der ersten Menschen war, der eine elektrische Beleuchtung konstruierte und mit Glühfäden in Glaskolben expermentierte. Somit kann seine Arbeit mit evakuierten Glaskolben als ein Grundstein für die spätere Röhrentechnik betrachtet werden.