Bereich III: Personen - Gugliemo Marconi
     
     

Gugliemo Marconi

Guglielmo Marconi (* 25. April 1874 in Bologna; † 20. Juli 1937 in Rom) war ein italienischer Radiopionier und erhielt 1909, zusammen mit Ferdinand Braun den Nobelpreis für Physik für seinen Beitrag zur Entwicklung der drahtlosen Telegrafie.Heute gilt Gugliemo Marconi zusammen mit Nikola Tesla als der Pionier der drahtlosen Kommunikation, während andere, darunter auch Ferdinand Braun, in diesem Zusammenhang in Vergessenheit geraten sind.

Guglielmo Marconi wurde 1874 als zweiter Sohn des italienischen Landbesitzers Giuseppe Marconi und dessen aus Irland stammender Frau Annie Jameson geboren. Am 16. März 1905 heiratete Marconi Beatrice O'Brien, Tochter des 14. Baron von Inchiquin. Aus der Ehe, die 1924 geschieden wurde, entstanden drei Kinder, die Töchter Degna und Gioia sowie der Sohn Giulio. In zweiter Ehe heiratete Marconi, der inzwischen 52 Jahre alt war, am 16. Juni 1927 die nur halb so alte Maria Cristina Bezzi Scali. 1930 wurde die Tochter Maria Elettra Elena Anna geboren. Maria Cristina Bezzi Scali verstarb im Jahr 1994 und wurde im Mausoleum der Villa Griffone in Pontecchio an der Seite ihres Mannes beigesetzt.

Marconi, der sich schon als Junge er sich für physikalische und elektrische Wissenschaft interessierte, erhielt eine private Ausbildung in Bologna, Florenz sowie Livorno. Später studierte er die Arbeiten von James Clerk Maxwell, Augusto Righi, Oliver Lodge, Alexandr Popow und anderen.
Anfangs forschte er an der Verbesserung der Leistungsfähigkeit von Batterien. Als er jedoch die Schriften von Heinrich Hertz entdeckte, gab er alle Forschungen auf und wendet sich alleine der drahtlosen Telegrafie zu. 1895 begann er auf dem Landgut seines Vaters, der Villa Griffone in Pontecchio, mit ersten Laborexperimenten. Dabei stellte er auch in Salvan in den Schweizer Alpen seine ersten Versuche über eine Entfernung von etwa 2,5 km an. Im Frühjahr 1896 baute Marconi ein von Alexander Stepanowitsch Popow beschriebenes Gerät "zur Aufspürung und Registrierung elektrischer Schwingungen“ nach und ließ dieses im Juni 1896 noch vor Popow für sich patentieren.

Danach verlegte Marconi sein Labor nach England, auf die Kreideklippen der Isle of Wight und meldete sein System auch dort als britisches Patent Nr. 12039 an. 1897 gründete Marconi das Unternehmen Marconi's Wireless Telegraph Company Ltd. mit Sitz in London. Am 27. März 1899 gelang Marconi die erste drahtlose Verbindung über den Ärmelkanal vom South Foreland Lighthouse bei Dover nach Wimereux.

Am 12. Dezember 1901 konnte Marconi die erste transatlantische Funkübertragung eines Signals (Buchstabe S im Morsecode) aus Poldhu auf der Halbinsel The Lizard in Cornwall zum Signal Hill bei St. John's in Neufundland realisieren. An diese Meisterleistung erinnert noch heute das Marconi-Denkmal in Poldhu, wobei Marconi hierfür keinen selbstentwickleten Sender, sondern einen Sender nach der sogenannten Braun-Schaltung verwendete.

Bereits ein Jahr später gelang im auch die Übertragung einer Testnachrichten in beide Richtungen über den Atlantischen Ozean. Nach diesen erfolgreichen Probeübertragungen gründete er die American Marconi Wireless Corporation mit Sitz in New York. Die erste öffentliche transatlantische Kommunikation ist vom 18. Januar 1903 zwischen der Marconi Wireless Station in Cape Cod in Massachusetts und dem Englischen Festland belegt. Marconi übertrug hierbei eine Grußbotschaft zwischen US-Präsident Theodore Roosevelt und dem brittischen König Eduard VII. Das System beeindruckte König Eduard VII derart, das er es umgehend von der brittischen Kriegsmarine übernehmen lies.
Um 1907 wurde vom westirischen Ort Derrygimla bei Clifden ein drahtloser transatlantischer Telegrafendienst für die Öffentlichkeit eingerichtet. Diese erste öffentliche Sendestation wurde während des Irischen Bürgerkrieges in Jahr 1922 zerstört.

In den Anfangstagen sah es kurzfristig so aus, als könne Marconi ein Weltmonopol auf die Übertragung mittels drahtloser Nachrichtentechnik errichten. Seine erbitterten Gegenspieler waren die deutschen Pioniere Ferdinand Braun (Siemens) und Adolf Slaby (AEG), Wobei Marconi seinen Schwerpunkt in der Vermarktung der Technik legte und für Braun und Slaby die Forschung im Vordergrund stand. Im Jahr 1909 erhielt Marconi gemeinsam mit Ferdinand Braun den Physiknobelpreis für seine Arbeiten zur drahtlosen Kommunikation.

1924 wurde Gugliemo Marconi auf Vorschlag der faschistischen Regierung in Italien durch König Viktor Emanuel III. geadelt und erhielt den Titel Marchese (entspricht in etwa einem deutschen Grafen). Außerdem wurde Marconi Mitglied des Faschistischen Großrates in Italien.

Im Jahr 1928 wurde er Präsident des italienischen Nationalrates für Wissenschaften und 1930 Präsident der Königlich Italienischen Akademie der Wissenschaften. Zusammen mit Papst Pius XI. und SJ Giuseppe Gianfranceschi gehörte er zu den Schöpfern von Radio Vatikan, der am 21. September 1930 seinen Betrieb aufnahm.
1931 wurde Marconi auch Mitglied der vatikanischen Pontifikal-Akademie der Wissenschaften.

Am 19. Juli 1937 erlitt Marconi in Rom einen Schlaganfall, dem er am Folgetag erlag. Als Marconi starb, wurde der gesamte Funkverkehr für zwei Minuten ausgesetzt. In Würdigung seiner Leistungen wurde in den Folgejahren u. a. der Asteroid (1332) Marconia und ein Krater auf der Mondrückseite nach ihm benannt. Marconi wurde mit einem Staatsakt zunächst in Rom beigesetzt und nach der Fertigstellung eines Mausoleums am Familienstammsitz, der Villa Griffone in Pontecchio bei Bologna im Oktober 1941, wurde er dorthin überführt.
Marconi wird in seiner Heimat bis heute verehrt und es gibt kaum einen Ort in Italien, der nicht eine „Via Marconi“ (Marconi-Straße) hat. Der internationale Flughafen der italienischen Stadt Bologna nach Guglielmo Marconi benannt. Ein jährlich ausgetragener Amateurfunk-Contest wird zu seinem Gedenken "Marconi memorial contest" genannt. In der italienischen Sprache wird ein Funker noch heute als Marconista bezeichnet.

Die Villa Griffoni-Marconi beherbergt heute nicht nur das Grabmal Marconis, sondern auch das offizielle Marconi-Museum. Seine größten Erfolge erlangte Gugliemo Marconi jedoch nich in England, wo sich auch heute noch die meisten Originaldokumente, Handschriften und Gegenstände seiner Experimente befinden.