Bereich: Technik  
     

Gesellschaft für elektroakustische und mechanische Apparate mbH (GEMA)
 

Die beiden Gymnasiasten Paul-Günther Erbslöh und Hans-Karl Freiherr von Willisen beschäftigten sich bereits während ihrer Schulzeit intensiv mit der damals noch junden Rundfunktechnik sowie der Möglichkeit der elektronischen Tonaufzeichnung. Im Jahr 1931 erwarben sie die Firma Tonographie in der sie im Lohnauftrag mit ihren selbstgebauten Geräten Sprache und Musik aufzeichneten. Alle für die Signalübertragungung und -aufzeichnung benötigten Geräte entwickelten und bauten sie damals selbst.

Im Jahr 1932 erfuhren Erbslöh und von Willisen vom der Forschungsarbeit des Physikers Dr. Rudolf Kühnold der sich bei der Nachrichtenmittel-Versuchsanstalt der deutschen Marine mit der Ortung von Schiffen durch die Reflexion von Wasserschall befaßte. Sie boten Dr. Kühnold ihre Unterstützung an und verhalfen ihm durch ihre praktische Erfahrung zu schnellen Erfolgen. Zum Dank bezog er sie in seine weiteren Forschungen zur Ortung mittels Reflexion von Funkwellen ein. Ein glücklicher Umstand für Erbslöh und von Willisen war, dass Dr. Kühnold von den großen Funkfirmen keinelei Unterstützung erhielt. Niemand bei den großen Herstellen glaubte, daß mit den damals zur Verfügung stehenden Sendeleistungen für Wellenlängen unter 1m eine verwertbare Reflexion an Schiffen möglich sei.
Der Tonographie gelang schnell der Nachweiß einer Reflexion im dm-Wellenbereich. Nachdem Dr. Kühnold eine offizielle Auftragsvergabe nicht möglich war, drängte die Tonographie den bisher beschritten Weg inoffiziell weiterzuverfolgen. Um das finanzielle Risiko, welches sich durch die hohen Forschungsausgaben für die gut laufende Tonographie ergab, zu reduzieren, gründeten Erbslöh und von Willisen am 16. Januar 1934 die Gesellschaft für elektroakustische und mechanische Apparate mbH (kurz GEMA), die sich fortan um alle Belange der Marine kümmerte.

Bereits am 26. September 1935 konnte die neue GEMA der deutschen Marineleitung ihr erstes einsatzfähiges Funkmeßgerät auf einer Wellenlänge von 52cm erfolgreich vorführen. Aus diesem Prototyp entstanden die legendären Seetakt- und Seeartgeräte, die auf einer Wellenlänge von 80cm arbeiteten. Nicht weniger legendär sind die späteren Geräte der Freya-Familie auf 2m Wellenlänge, besonders die Fernsuchsysteme Mammut und Wassermann sowie die rundumsuchenden Panoramageräte für den Luftraum.
Da die Fertigungskapazität der GEMA äußerst begrenzt war, waren Lieferengpässe an der Tagesordnung. So mußten Erbslöh und von Willisen selbst für die Herstellung von Kleinserien viele Baugruppen und Geräteteile außer Haus von anderen Firmen prodzieren lassen. Dies führte jedoch zu größeren Schierigkeiten bezüglich der Geheimhaltung. So wurden beispielsweise die Röhren der GEMA mit der Bezeichnung VH... oder TS... in großer Stückzahl bei der AEG, Siemens, Lorenz und Telefunken gebaut.

Die Dokumentation der Entwicklungen und zu den Geräten der GEMA unterlag von Anfang an strengster Geheimhaltung. Die Geheimhaltung war derart efffektiv, daß selbst wärend des Krieges nur wenig über das Unternehmen und dessen Arbeiten bekannt wurde. Gegen Kriegsende wurden die meisten Unterlagen vernichtet., so daß auch nach Kriegsende ist nur sehr wenig über die GEMA bekannt wurde.

Wenn man heute die Röhrentypen der GEMA betracht, erkennt man je nach Hersteller mehr oder weniger große Unterschiede in der Ausführung. Vermutlich sind diese Abweichungen bei den fremgefertigten Röhren auf die strenge Geheimhaltung zurückzuführen.

So wurde bis heute nur wenig über die GEMA in den Jahren 1936-1945 bekannt und das was veröffentlicht wurde, ist zumeist unvollständig. Die einzige mir bekannte umfassende Veröffentlichung zur GEMA ist das Buch "GEMA-Belin, Geburtsstätte der deutschen aktiven Wasserschall- und Funkortung" von Harry von Kroge. Dieses Buch stellt momentan wohl die einzige umfassende Abhandlung der GEMA dar.