Bereich II: AX4B-533Tube - Das Mainboard mit Röhrenverstärker
     
       

AOpen AX4B-533Tube
Das Mainboard mit Röhrenverstärker

Im Jahr 2002 brachte der Mainboardhersteller AOpen das erste PC-Mainboard mit Vakuum-Röhrenverstärker auf den Markt. Laut den Angaben des Herstellers soll der Röhrenverstärker zusammen mit dem Onboard-Audiochip für einen besonders warmen und natürlichen Klang sorgen.
Das man bei dieser Entwicklung hauptsächlich die "Röhrenfreaks" ins Auge gefasst hatte, war den AOpen-Entwicklern klar. Andererseits wird damit die Marktstellung und Beliebtheit der Röhrentechnik im HiFi-Bereich sehr deutlich. Das Marketing für das Mainboard richtete sich deshalb auch hauptsächlich an den Kreis der audiophilen Computernutzer, die sich damit ihren ultimativen Unterhaltungsrechner zusammenstellen konnten.
Der damalige Produktmanager Al Peng bei AOpen erinnerte sich später in einen Interview, wie die Idee aus einem Scherz unter AOpen-Entwicklungsingenieuren enstanden ist: "Wir haben eines Abends alle zusammengesessen und mit vielen verrückten Ideen gespielt, als ich vorschlug, dass es cool sein würde, wenn wir den warmen und tiefen Klang von Audioröhren erzeugten Sound, mit einem unserer modernsten Mainboards verbinden könnten".
Auch wenn zuerst alle über den Vorschlag gelacht haben, nachdem die ersten Labormuster für ein Hybrid-Mainbaord vorlagen und man bemerkte wie begrenzt der normale Audioausgang war, schlug die Stimmung schlagartig in Begeisterung und Schwärmerei um.
(C) AOpen
(Quelle: AOpen)

Die Kritiker im eigenen Haus, die darauf hinwiesen, dass ein Halbleiterverstärker besser als die beste Röhrenlösung sein könnte und die Röhre nur eine altmodische Technik sei die dem Ansehen des Unternehmens auch schaden könne, hielt man entgegen, dass alleine die Tonqualität nicht reichen würde.

Um die Störungen, die von den auf unterschiedlichen Taktraten betriebenen digitalen Bausteine erzeugen, vom Röhrenverstärker fernzuhalten waren umfangreiche Störschutzmaßnahmen und er Einsatz sogenennter Frequency Isolation Walls (FIW) notwendig. Eine weitere Herausforderung stellte die Erzeugung der für den Betrieb der Röhre benötigeten Anodenspannung von 300V dar. Hierfür wurde auf dem Mainbaord ein getaktetes Netzteil mit einem MAXIM 668 DC/DC-Konverter integriert. Als Röhre kam eine Doppeltriode zum Einsatz, wobei jeweils eine Triode für den rechten und linken Frontkanal genutzt wurde. DIe beiden rückseitigen Kanäle sowie der digitale S/PDIF-Ausgang wurden wie üblich aus dem Onboard Audiochip (Realtec ALC650) versorgt. Die Lebensdauer der Röhre sollte, durch den Einsatz spezieller Schaltungen und Betriebsparameter bei mindestens 4000 bis 5000 Stunden liegen. Selbst an einen "Stand-alone-Betrieb des Röhren verstärkers wurde gedacht und dieser hierfür mit einem separaten Eingang ausgestattet. So konnte auf dem Mainboard auch eine externe Soundkarte, an statt des Onboardchips, eingesetzt und deren Signal dem Röhrenverstärker zugeführt werden.
(C) AOpen
(Quelle: AOpen)

Als das Mainbaord mit der Bezeichnung AX4B-533TUBE schließlich fertiggestellt war, nahm alleine der Röhrenverstärker fast ein Viertel der Platinenfläche ein.
Die übrige Ausstattung richtete sich, mit dem Intel 845E Chipsatz für den Pentium4, nach dem damals aktuellen Stand der Technik.
Das AX4B-533TUBE - Mainboard kam im Jahr 2002 in den USA zu einem Stückpreis von 215 US-Dollar in den Handel. Nach Deutschland kam es dagegen nur über Umwege, da die auf dem Mainboard erzeugte Anodenspannung zu Schwierigkeiten bei der technischen Abnahme der Zulassungsbehörden führte. Nachdem, trotz der enormen Nachfrage, kein anderer Hersteller auf diesen Zug aufgesprungen ist, blieb das AX4B-533TUBE ein Exot auf dem Computermarkt.
Heute, gut 10 Jahre später, ist die Kombination von Rechner und Röhrenverstärker wieder hochaktuell. Durch die sich geänderte Technik, die heute mehr auf dezentrale Lösungen wie beispielsweise externe Soundkarten setzt, wird der Röhrenverstärker ebenfalls extern, über den digitalen Audioausgang oder USB-Port an den Rechner angeschlossen. Derartige, häufig mit mehereren Röhren bestückte Verstärker werden heute von vielen Herstellern angeboten. Die Lösung als separater Verstärker bietet natürlich auch weitreichende optische Möglichkeiten für den Verstärkerhersteller.