Bereich II: Das Medium Power Radar (MPR)
     
       

Das Medium Power Radar (MPR)
Das Medium Power Radar, kurz MPR, ist ein ortsfestes Radarsystem der deutschen Luftverteidigung. Zwischen 1969 und 1973 wurden auf dem Staatsgebiet der Bundesrepublick Deutschland 6 MPR-Anlagen errichtet.
Die Standorte waren Endtebrück (Stabs- und Unterstützungskompanie 22), Brekendorf (Abgesetzter Technischer Zug 431), Visselhövede (AbgTZug 433), Auenhausen (AbgTZug 442), Lauda (AbgTZug 134) und Freising (AbgTZug 135). Die Anlagen wurden in den Jahren 1971 bis 1973 in Betrieb genommen und an die jeweiligen Einsatzführungsbereiche der Bundeswehr bzw. Luftwaffe übergeben.
Die Bezeichnung "Medium Power Radar" war jedoch irreführend, da die MPR-Anlagen mit einer Impulsleistung von rund 20 MW die mit Abstand leistungsstärksten Luftverteidigungsradarsysteme in Deutschland waren.
In den Folgejahren wurden die MPR-Anlagen ständig modernisiert, so wurde beispielsweise Ende der 1970er Jahre ein digitales Störschutzsystem nachgerüstet und in der 1980er Jahren die mit einer Wanderfeldröhre bestückten Vorverstärker gegen halbleiterbasierende Systeme ausgetauscht.


MPR in Lauda (Löffelstelzen), 2014
(Quelle: Google Maps)
 
Technische Daten des MPR:
Frequenzbereich:
Pulsleistung:
Mittlere Dauerleistung:
Erfassbare Entfernung:
Entfernungsauflösung:
Sendezeit (PW):
Empfangszeit:
Pulswiederholzeit:
Pulswiederholfrequenz:
Antenne B x H:
Antennenfläche:
Antennengewicht:
Öffnungswinkel
Trefferzahl:
Antennenumlaufzeit:


E-Band
20 MW
ca. 20 kW
480 km (250NM)
600 m
4 µs
3.2 ms
4 ms
250 Hz
16 x 5,9 m
96 m²
3,85 t
0,45°
2,85
10 s


Das Radarsystem bestand aus einem mehrstöckigen Gebäude für die Betriebstechnik und Sensorik. Auf dem Dach war die drehbare Antenne unter einer Wetterschutzabdeckung (Radom) montiert.
Das MPR war eine Weiterentwicklung des französischen TRS2201 Radargeräts, welches speziell für die Verwendung in der Bundesrepublik Deutschland angepasst wurde. Die für die Reichweite erforderliche Hochfrequenzleistung wurde mit einem Klystron des Typs TV2030, das mit einer Spannung von 265 kV betrieben wurde, erzeugt.

Die Errichtung der Anlagen erfolgte durch den französischen Hersteller CSF-Thomson unter Verwendung von Baugruppen die durch die Unternehmen AEG/Telefunken und Siemens hergestellt wurden. Nachdem CSF-Thomson, das heute zur Thales Group gehören, die Fertigung der Hochleistungsklystrons eingestellt hatte, wurden diese bei Valvo nachgebaut um den Betrieb der MPR-Anlagen aufrechtzuerhalten.
Der unter dem Radom montierte, drehbare Radarantennreflektor hat eine Breite von 16 Metern und einer Höhe von 6 Metern, was rund 96m² entspricht. Das Gewicht der Reflektors betrug 3,85 Tonnen, das der gesamten Anlage etwa 11 Tonnen.

Die vom Klystron erzeugte Hochfrequenzleisung wurde in der Antenne auf 34 mit einem Polarizer versehenen Feed-Hornstrahler verteilt. Somit konnte eine linerare, sowie rechts- oder linkszirkulare Abstrahlung erzeugt werden. Aus dem so abgestrahlten Cosecans-Diagramm werden beim Empfang mehrere Wege, zu einem im Höhenwinkel gestaffelten Diagramm, aus 12 Keulen zusammengefasst. Die Summe der 12 Keulen ergibt ebenfalls ein Cosecans-Diagramm. Durch diese Arbeitsweise erhält man nicht nur Azimut- und Entfernungsdaten, sondern auch eine aus den 12 unabhängigen Beamdaten gebildete Höhenwinkelinformationen.

Das MPR-Radar "Batman" des Abgesetzten Technischen Zugs 134, am Standort Löffelstelzen/Oberbalbach bei Lauda-Königshofen, wurde im Februar 2013 außer Betrieb genommen. Während seiner Einsatzdauer von 42 Jahren war das MPR-System insgesamt 317800 Stunden im Betrieb, dies entspricht über 36 Jahre und belegt die hohe Zuverlässigkeit des Systems. Die verbleibenden 6 Jahre wurde hauptsächlich für Wartungs- und Umbauarbeiten benötigt. Im Frühjahr 2014 soll das neue 3D-Großraumradar Ground Master 406F nach einer umfassenden Trainingphase und Einsatzprüfung in Betrieb genommen werden.

1
MPR - Radaranlage
(Quelle: Bundeswehr)

2
MPR-Antenne nach der Demontage des Radoms
(Quelle: Bundeswehr)

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Zwei der TV2030 Klystrons aus der MPR-Radaranlage
oben: Neues Klystron aus dem Lager
unten: Aus der Anlage
ausgebautes Klystron


2011 - Eine neue Ära beginnt:


Im Zuge des Beschaffungsprogramms ARED für ein "aktives Radarsuchgerät für den Einsatzführungsdienst" werden die 6 MPR-Anlagen der Bundeswehr, ab 2011 nacheinander durch neue Anlagen vom Typ Ground Master 406F, des Herstellers Thales-Raytheon-Systems ersetzt. Die Anschaffungskosten pro Stück sollen bei rund 21 Mio Euro liegen. Bis Ende 2015 sollen dann alle 6 MPR-Anlagen in Deutschland ersetzt worden sein.
Das Ground Master 406F ist die für die ortsfeste Montage vorgesehene Version, der transportablen Ground Master 400-Baureihe des Hersteller Thales-Raytheon-Systems.
Beim Vergleich der beiden Fotos wird sichtbar, wie kompakt das neue Ground Master 406F im Vergleich zum alten MPR ist.

Mit der Entscheidung für das 3D-Großraumradar Ground Master 406F für die Luftraumüberwachung und -verteidigung, will die Bundeswehr auch der Forderung nach einer höheren Wirtschaftlichkeit sowie einem modularen und wartungsfreundlichen Ausbau, unter Verwendung handelsüblicher Hardware, Rechnung tragen.
Im Gegensatz zum MPR arbeitet das neue Ground Master 406F mit einer digitalen Formung des Antennendiagramms und soll so eine, von geringen bis sehr hohen Flughöhen, gleichmäßigere und wenige störanfällige Zielerfassung bieten.

Ground Master 406F auf Radarturm des MPR-Systems
(Quelle: Bundeswehr)


Antenne des Ground Master 406F im Inneren des Radoms
(Quelle: Bundeswehr)

Das Ground-Master 406F ist ein volldigitales 3D-Luftraumüberwachungsradar für die militärische Verwendung und bietet eine Zielerfassung von stark manövrierenden taktischen Zielen: Vom taktischen Flugzeug, das unter der konventionellen Radarerkennung fliegt, bis hin zu Objekten mit ungewöhnlich kleinem Radarquerschnitt wie Drohnen oder Marschflugkörpern. Dabei bietet das bei Thales im französischen Limours produzierte System eine zuverlässige Zielansprache von geringen bis sehr großen Flughöhen bei einer wesentlich geringeren Störanfälligkeit im Vergleich zu anderen Systemen. Die Reichweite ist mit 470 km vergleichbar der des MPR-Systems.
Die Bedienung kann wahlweise vor Ort oder wie, bei allen Ground Master Radaranlagen, per Netzwerkanbindung von weit entfernten Luftraumüberwachungszentralen erfolgen.
Die gesamte Radaranlage ist äußerst kompakt. Die mobile Version des Ground Master 406 ist, inkl. Antenne, in einem einzigen 20-Fuß-Standardcontainer untergebracht, der leicht per Lkw oder Transportflugzeug transportiert kann. So kann das System schnell an jeden Einsatzort befördert und dort in kürzester Zeit einsatzfähig gemacht werden.
Seit der Markteinführung des Ground Master 406F, als ortfestes 3D-System der neuen Generation, hat Thales Raytheon Systems bereits mehrere Dutzend Anlagen an Ladesverteidigungen in aller Welt verkauft.

Bisher wurden an die Bundeswehr die ersten 4 der insgesamt 6 Ground Master Radaranlagen, an den Standorten: Auenhausen (Juli 2013), Lauda-Königshofen (Februar 2014), Visselhövede (Juli 2014) und Endtebrück (Dezember 2014), übergeben. 




Mobiles Ground Master 400 in Feldstellung
(Quelle: Thales Raytheon Systems)