Bereich II: Der Längstwellensender Goliath - Vorwort
     
     

Der Längstwellensender Goliath


Vorwort

Auch wenn man häufiger Röhren angeboten gekommt, war dieser Anruf doch etwas besonderes. Eine große Senderöhre aus der Zeit vor 1945 bekommt man schließlich nicht jeden Tag. Wie bei allen Neuzugängen stellten sich auch hier gleichen Fragen: Was für eine Röhre ist das? - Wofür wurde sie eingesetzt? - usw.
Ein Datenblatt war schnell gefunden, war viele Fragen blieben offen.

Nach längerer Recherche kam ich schließlich auf die ehemalige Leitstelle der deutschen Kriegsmarine "Koralle" und deren Sendeanlage "Goliath", in der Nähe von Berlin. Zuverlässige Informationen zu einer Einrichtung des dritten Reichs zu zu erhalten, ist sehr schwierig. Am Anfang schien es nahezu aussichtlos, doch dann erhielt ich die Information , dass die Anlage noch heute in Russland in Betrieb sein soll.

Die Geschichte der Sendestelle Goliath faszinierte so sehr, dass sich aus der als Randinformation zur Röhrentechnik geplante Seite ein eigenständiges Projekt entwickelte.

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Im Tal der Milbe bei Calbe, etwa 14 km nördlich von Gardelegen wurde im Frühjahr 1943 für die deutsche Kriegsmarine der Längstwellensender Goliath in Dienst gestellt. Die Leistungswerte dieses Senders waren mit einer Sendeleistung von einem Megawatt und einem Wirkungsgrad der Antennenanlage zwischen 47% bei 15 kHz und 90% bei 60 kHz für die damalige Zeit außerordentlich hoch. Der Längstwellensender Goliath hatte eine höhere Leistung und einen besseren Wirkungsgrad als jeder andere Längstwellensender zu dieser Zeit. Den Längstwellensender Goliath mit einer einfachen Überschrift zu versehen oder wenigen Worten zu beschreiben wird der Bedeutung der Anlage nicht gerecht:
  • Der Bau der Sendeanlage war eine ingenieurtechnische Meisterleistung.
  • Im II. Weltkrieg war der Sender ein wichtiges Instrument zur Führung der deutschen Unterseeboote.
  • Die Sendestelle blieb vom Krieg verschont wurde zum Kriegsgefangenenlager der Alliierten.
  • Die Senderanlage wurde als Beutegut der Roten Armee in die Sowjetunion gebracht.
  • Der Goliath ist nach 1945 als Marinesender der Sowjetischen Streitkräfte im Betrieb.
  • Vom neuen Standort, nahe Nishny Nowgorod, wird der Raumflug von Juri Gagarin überwacht.
  • Nach der Auflösung der Sowjetunion ist der Goliath weiterhin für die russische Kriegsmarine im Betrieb.


Welche überragende Leistung der deutschen Ingineure von C. Lorenz AG in der 1940er Jahren erbracht haben, wird erst heute ersichtlich. Trotz aller kriegsbedingten Schwierigkeiten, Materialknappheit und Arbeitskräftemangel haben diese in nur 27 Monaten eine Sendeanlage errichtet die noch heute, über 70 Jahre später, nahezu unverändert als militärische Funkstelle in Betrieb ist.

 

  1. Die Errichtung und der Betrieb durch die deutsche Kriegsmarine
  2. Das Kriegsende im April 1945
  3. Instandsetzung des Goliath und die Verlagerung in die Sowjetunion
  4. Der Wiederaufbau und Betrieb durch die sowjetischen Streitkräfte