Bereich: Technik  
     

Die Elektronenröhre - Die frühen Jahre
Süddeutsche Kabel und Drahtwerke AG, Nürnberg

Während die ersten Hochvakuumröhren mit einem offenen System und einem als Planspirale oder Netz ausgeführten Gitter hergestellt wurden, war die EVE173 von Telefunken im Frühjahr 1917 die erste Röhre mit einem zylindrischen Systemaufbau.
Telefunken hatte sich schon sehr früh mit der Konstruktion von Hochvakuumröhren beschäftigt. Eine der ersten Röhren war die, noch mit einem offenen System ausgestattete EVN94, die von 1914 bis etwa Ende 1916 hergestellt wurde. Ihr folgte die EVN171 und schließlich ab Anfang 1917 die EVE173, die bereits den bis heute verwendete Aufbau mit einem geschlossenen System und zylindrischer Anode besitzt. Die Fertigungszahlen waren für die damalige Zeit mit rund 30.000 Stück pro Quartal recht hoch.

Bis zum Beginn des I. Weltkriegs waren neben der auf einer Kooperation von AEG und Siemens gegründeten Telefunken noch einige weitere deutsche Unternehmen am Markt.


Das Unternehmen C. H. F. Müller GmbH in Hamburg war bis 1914 auf den Bau von Röntgenröhren spezialisiert. Als Folge des Kriegs entstand ein enormer Bedarf an Röhren, der die Firma Müller dazu veranlasste am 1916 auch Verstärker und Senderöhren herzustellen. Bekannt wurden aus dies Zeit die beiden Senderöhren MS I, mit max. 250 W Anodenverlustleistung, sowie die MS II mit max. 500 W Anodenverlustleistung. 1924 wurde die stetig wachsende Röhrenherstellung in die neu gegründet Firma Radio-Röhre-Fabrik RRF ausgelagert. 2 Jahre später im Jahr 1926, wurde die RRF in Valvo umbenannt. Der bereits im RRF-Logo verwendete Zahnkranz wurde von Valvo in das neue Logo übernommen. Erwähnenswert ist, das der Name Valvo bereits vor 1926 vereinzelt verwendet wurde.

Ab dem Jahr 1923 kam mit der kleinen aber hochinnovativen Firma Loewe Radio GmbH in Berlin Steglitz ein weiterer Röhrenhersteller auf den Markt. Aus den ersten Jahren sind eigentlich nur die LA75 und LA77 bekannt. Einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte Loewe erst im Jahr 1925, als dort die von Manfred von Ardenne und Heinert entwickelte erste Mehrfachröhre 3NF konstruiert wurde. Das besondere an diese Konstruktion war, dass in den Glaskolben an statt wie bisher üblich ein System, gleich 3 getrennte Triodensysteme sowie die für den Betrieb notwendigen Koppelkondensatoren ebenso wie die  Anoden- und Gitterwiderstände eingebaut waren. Damit gilt die 3NF zu Recht als der erste integrierte Schaltkreis in der Elektrotechnik.
Die Trioden waren innerhalb des Glaskolbens als Audion, Widerstandsverstärker und Endtriode verschaltet. Für den Aufbau eines einfachen Rundfunkempfängers wurde nun nur noch der Abstimmkreis benötigt. Bereits ein Jahr später folgte mit der 2HF die nächste Mehrfachröhre, die zwei Raumladegittersystem für die HF-Vorverstärkung enthält. Wie bei der 3NF wurden auch bei der 2HF alle für den Betrieb benötigten Koppelglieder und Widerstände bereits in den Glaskolben integriert. Der Grundgedanke eine kompakte und platzsparende Röhre für Rundfunkempfänger zu konstruieren wurde in den folgenden Jahren durch weitere Mehrfachröhren weitergeführt. In den 1930er Jahren kamen schließlich die die netzbetriebenen Mehrfachröhren WG33, WG34, WG35 und WG36 hinzu. Neben den Mehrfachröhren wurden bei Loewe auch klassische Einfachröhren hergestellt. Diese Röhren entsprachen den Ausführungen der Konkurrenz und wurden nur mit eingen Typenbezeichnungen versehen. Um sich gegen die anderen Hersteller optisch abzusetzen wurden die Loewe-Röhren ab den 1930er Jahren schwarz lackiert.  So waren die Loewe-Röhren bereits auf den Ersten Blick von den seinerzeit üblichen silbernen, goldenen oder grauen Röhren der Konkurrenten zu erkennen. Auf diese Weise wurde aus der AL4 die Loewe 4E1 oder der CF7 die Loewe 13H2. Sehr für beschäftigte sich Loewe mit dem immer mehr an Bedeutung gewinnenden Übertragung von Bildern, dem Fernsehen. Unter der Beteiligung von Manfred von Ardenne wurden bei Loewe neue Röhren speziell für den Einsatz in der Fernsehtechnik konstruiert. Hierzu zählen insbesondere ein- und zweistrahlige Sichtröhren für Oszillographen und Bildröhren für Fernsehempfänger. Bis Ende des II. Weltkriegs beschränkte sich Loewe auf die Konstruktion und Herstellung von Empfängerröhren, Senderöhren wurden bis dahin nicht gebaut. Auch die schwarze Lackierung verschwand nach dem Krieg wieder. Aus der Loewe Radio GmbH wurde noch in den 1930er Jahren das Unternehmen Loewe-Opta und später nur noch Opta.

Auch die Nürrnberger Firma TeKaDe (Süddeutsche Kabel und Drahtwerke AG) war bereits vor dem ersten Weltkrieg in der Röhrenproduktion tätig. Beispielsweise mit der ST12, einer 5W Senderöhre, sowie verschiedenen Kraftverstärkerröhren, wie der 4K170. Schon in den 1920er Jahren versuchte man bei TeKaDe die Leistung einer Röhre zu steigern in dem man einfach zwei oder mehrere Röhrensysteme  in einem Glaskolben parallel schaltete. Diese Technik, jedoch mit einzelnen Röhren, war bereits aus den Röhrengestellen für Rundfunksender bekannt. So wurde bereits im Jahr 1918 in der Sendestelle in Königswustershausen ein Röhrengestell mit zehn 1kW- Senderöhre (RS15) verwendet die in Gruppen für eine Sendeleistung von 5 oder 10 kW zusammengeschaltet werden konnten. Auf diese Weise entstanden bei TeKaDe  die VT-129 (4K30) mit zwei parallel geschalteten Trioden oder auch die VT-147 mit drei parallelen Systemen. Diese Röhren verhalten sich wie ganz normale Triode, durch diese Parallelschaltung der Systeme erhielt man eine leistungsstärkte, jedoch auch niederohmigere Triode (im Vergleich mit dem Einzelsystem).
Nach dem Krieg zog sich die TeKaDe weitgehend aus der Röhrenherstellung zurück, so das in den 1930er Jahren nur noch sehr wenige TeKaDe-Röhren in Handel waren. Dies sollte sich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und dem II. Weltkrieg grundlegend ändern. Speziell nach dem II. Weltkrieg wurde die TeKaDe durch ihre auf Wehrmachtröhren basierenden Konsumröhren bekannt. Hierfür wurden die noch vorhandenen Wehrmachtröhren mit anderen Sockeln und einer eigenen Typenverzeichnung versehen und für zivile Einsatzzwecke  umgebaut. Später wurden die bekannten Wehrmachtsröhren bei TeKaDe weitergebaut. Die Röhrenherstellung blieb bis 1976 bestehen.