Bereich: Technik  
     

Anode und Katode
"Begrifflichkeiten ..."

Um die Anschlüsse und funktionalen Bestandteile einer Röhre allgemeingültig zu benennen werden eindeutige Beizeichnungen benötigt. Dies trifft auf die Eletroden die das Röhrensystem bilden ebenso zu, wie auf das Gehäuse, den sog. Kolben.

Die Herkunft der Bezeichnung "Gitter" oder "Gate" kann noch relativ leicht aus der mechanischen Konstruktion bzw. der Funktion abgeleitet werden kann. Dieses Gitter war bei den frühen Röhren noch direkt als Spirale und Gitter aus parralelen Leitern zu erkennen. Bei den Bezeichnungen "Anode" und "Katode" wird dies schon weitaus schwieriger.

Hintergrund ist dass die Bezeichnungen Anode und Katode nicht erst im Zuge der Röhrenerfindung eingeführt wurden sondern schon viel älter sind.

  Gegen Ende des Jahres 1832 untersuchte der englische Naturforscher Michael Faraday die Zersetzungsprozesse von festen Stoffen unter dem Einfluß des elektrischen Stroms. Hierbei erkannte er dass einige Stoffe mit einem niedrigen Schmelzpunkt, wie beispielsweise Wasser, in ihrem festen Zustand keinen Strom leiten können. Werden diese Stoffe jedoch soweit erwärmt, dass sich (aus dem vorherigen Beispiel) das Eis zu Wasser verflüssigt, ist eine Stromleitungen möglich und der Stoff wird durch den elektrischen Strom chemische zesetzt.
Diese Untersuchungen führte Faraday zu seinen bekannten Experimenten über die elektrochemische Zersetzung (Elektrolyse). Dabei studierte er unter Anderem auch die Arbeiten von Theodor Grotthuß und Davy und kam letztlich zur Erkenntnis, dass die Zerstezung im Inneren der Flüssigkeit stattfindet und die Elektroden quasi nur eine begrenzende Rolle spielen.
Die zu dieser Zeit existierenden Bezeichnungen waren für Faraday für die Beschreibung der chemischen Zersetzung jedoch nicht ausreichend. Er wandte sich an William Whewell und den Arzt Whitlock Nicholl um gemeinsam neue Bezeichnungen festzulegen. Nicholl schlug Faraday vor, für die EIn- und Austrittsflächen des elektrischen Stroms den Begriff Elekrode zu verwenden und den Vorgang der chemischen Zersetzunge als Elektrolyse sowie die Flüssigkeit als Elektrolyt zu bezeichnen. Whewell, der die polare Natur des Vorgangs genauer beschreiben wollte, fügte die Bezeichnungen Katode, für die Elektrode durch die der Strom in die Flüssigkeit eintritt und Anode für die Elektrode durch die der Strom die Flüssigkeit wieder verlässt vor. Abgeleitet aus diesen Begriffen legte er für die an der Elektrolyse beteilgeten Teilchen die Bezeichnungen Anion, Kation und Ion fest.

Am 9. Januar 1834 legte Faraday seine Erkenntnisse und die neuen Bezeichnungen der Royal Society im Somerset House in London vor.

 
Als einige Jahre später die Röhrentechnik ihren Anfang nahm, wurden auch dort die von Faraday eingeführten Bezeichnungen übernommen.
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Wie in der damaligen Zeit üblich, sind die Begriffe die Whewell und Nicholl im Jahr 1833 verwendeten aus dem griechischen bzw. altgriechischen abgeleitet.
Seit je her galten die Griechen als Begründer der Naturwissenschaften - Durch die Wahl von aus dem griechischen abgeleiteten Bezeichnungen wurde die Bedeutung der Erkenntnisse unterstrichen:

Anode


Katode


Elektrode



Elektrolyt



Ion

Die Bezeichnung Anode wurde vom griechischen ἄνοδος ánodos, wörtlich „Weg nach oben“ oder "Aufstieg" abgeleitet.

Oder auch Kathode ist vom griechischen κάθοδος káthodos, wörtlich „Weg nach unten“ oder „Rückweg“ abgeleitet woren.

Elektrode ist eine Ableitung vom griechisch ηλεκτρόν elektron, „Bernstein“. Im übertragenen Sinne, da mit Berstein die ersten Erkenntnisse zur Elektrizität gesammelt wurden, ist dies auch gleichbedeutend mit ὁδός hodós, wörtlich „Der Weg“

Elektrolyt wurde wie Elektrode aus dem griechischen ἤλεκτρον elektron, „Bernstein“ abgeleitet. Im übertragenen Sinne ist dies in der Elektrotechnik gleichgesetzt mit λυτικός lytikós, wörtlich „auflösbar“

Der Begriff Ion ist von griechisch ἰόν ión, wörtlich „das Gehende“ oder „das Wandernde“ abgeleitet.