Bereich I: Die Entwicklung des Magnetrons
     
 

  Die Entwicklung des Magnetrons  
 

Mitte der 30er-Jahre entstanden unter der Federführung des Röhrenkonstrukteurs Samuel Neuentwicklungen von Höchstfrequenzröhren, wie das erste Hohlraummagnetron oder die Türknopf-Röhren ("Doorknob tubes"). Dieses erste Magnetron war jedoch nicht leistungsfähig genug für den praktischen Einsatz und auch die technologischen Werkstoff-Probleme waren noch ungelöst.
Zur gleichen Zeit wurden auch in Deutschland bei der GEMA die ersten Höchstfrequenzröhren für den Einsatz in der Funkmess- und Radartechnik entwickelt.

Die beiden Physiker John Randall und Harry Boot führten in der Universität von Birmingham die Entwicklung von Samuel weiter. Am 21. Februar 1940 stellten sie unter der Bezeichnung E1189 das erste leistungsfähige Hohlraummagnetron vor. Mit diesem Magnetron war nun die Basis für den Bau starker Radarsender vorhanden.

Diese Erfindung wurde höchster Geheimhaltung unterstellt und schon am 19. Juli 1940 wurde der erste Prototypen (E1189, Seriennummer: 12) des sogenannten Birminghammagnetrons zu geheimen Tests zu den Bell-Laboratories in die Vereinigten Staaten geschickt. Am 6. Oktober 1940 stellten die Bell Laboratories ein eigenes 10-kW-Magnetron auf Basis der Birminghammagnetrons für eine Wellenlänge von 10 cm vor.
Aus diesem von den Bell-Laboratories weiterentwickelten Magnetron entsand bei Western Electric die Magnetronbaureihe 700A-D welche ab Ende 1940 in Serie gefertigt wurde.

Die Magnetrons der Baureihe 700 waren auf feste Frequenzen abgestimmt und besaßen einen koaxialen Ausgang sowie externe Magneten:
WE-700A ca. 715 MHz
WE-700B ca. 705 MHz
WE-700C ca. 695 MHz
WE-700D ca. 685 MHz Die Magnetrons lieferten eine Pulsleistung von 40 kW bei einer Impulsdauer von 0,2%. Die Heizung erfolgte mit einer Spannung von 13,5 V und 1,9 A. Ihren ersten Einsatz fand die Baureihe 700 im Zielradar MK-3 auf dem Kreuzer USS San Francisco und Zerstörer New Jersey sowie im Geschütz-Zielradar MK-4 des Flugzeugträgers USS Saratoga.
Bereits 1942 wurden die 700er Magnetrons durch das abstimmbare 4J42-Magnetron ersetzt.

Während des zweiten Weltkriegs wurden bei den Bell Laboratories und Western Electric viele neuartige Röhren für den Einsatz in den neuen Radargeräten entwickelt. Diese Röhren unterlagen strenger Geheimhaltung und wurden unter den Bezeichnung WE-700 bis WE-732 hergestellt. Da die neuen Röhren technisch noch nicht ausgereift waren und nur eine kurze Lebensdauer von wenigen Stunden hatten, mussten teilweise in sehr großen Mengen gebaut werden. Der enorme Bedarf an Radargeräten nach dem Kriegseintritt der USA führte zu einer weiteren Erhöhung der Produktion. Die amerikanische Western-Electric war Hauptproduzent der 700er Röhren und legte damit den Grundstein für die weitere Röhrenentwicklung in den 50er-Jahren.Die Vielfalt der verschiedenen Röhrenkonstruktionen, die heute wie Relikte aus einer anderen Welt wirken, stammen aus der Anfangzeit des Radars. In nur fünf Jahren entstanden viele neue Röhrentypen beispielsweise das Magnetron, Klystron, Trigatron und die Sperröhre (Nullode) sowie die "Micropup-Tubes" aus denen später die Scheibenröhren entwickelt wurden. Auch die Thyratrons und die hochauflösenden Bildröhren gehen auf die frühe Radartechnik zurück.Diese Entwicklung ist ein Beleg dafür, dass die Zusammenarbeit der Alliierten speziell der Amerikaner und Britten bereits früh vor dem zweiten Weltkrieg begann. Nach dem Kriegsende sagte der amerikanische Präsident Eisenhower: "Bei den Magnetrons im Juli 1940 habe es sich um die wertvollste Fracht gehandelt, die Amerika zu jener Zeit erreichte".

Die Öffentlichkeit wurde erst im April 1944 in England durch eine Zeitungsanzeige der Bell Laboratories über die Erfindung des Magnetrons informiert. In der Anzeige war eine kleine versiegelte Kiste und ein als Telefon stilisierter Marinesoltat zu sehen. Darunter stand:
"In dieser Kiste versiegelt und in den Kellern der Bell-Laboratories gelagert ist ein besonderes Gerät, das half, eine grosse Schlacht zu gewinnen....Aber dahinter stehen viele Jahre geduldiger Entwicklung".

Im Mai 1945 mit dem nahen Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Geheimhaltung der Magnetrons offenbar aufgehoben. Die Bell Laboratories veröffentlichten im Mai 1945 eine zweite Anzeige in der die Kiste geöffnet und das Magnetron zu sehen war.

 
 

Unter der Abbildung stand folgender Text:

"Es half, sechs japanische Kriegsschiffe zu versenken
Vor etwas über einem Jahr berichteten wir Ihnen von einem geheimen Gerät, das dabei half, eine grosse Schlacht zu gewinnen. Dieses Gerät kam, in einer Kiste versiegelt, vom Kriegsschauplatz zurück in die Keller der Bell-Laboratories.
Wir können Ihnen aus Sicherheitsgründen nicht die ganze Geschichte erzählen, aber wir können die Kiste nun öffnen und Sie wissen lassen, was darin ist. Es ist ein Magnetron, eine Art Elektronenröhre, die in der Radarausrüstung der berühmten USS Boise eingebaut und betrieben wurde.
Das Radar wurde bei einer nächtlichen Aktion nahe der Insel Savo in der Inselgruppe der Salomonen am 11.-12. Oktober 1942 eingesetzt. Während dieses Einsatzes wurden sechs japanische Kriegsschiffe aus den Meeresgrund geschickt.
Lange vor Pearl Harbor fragte die Regierung die Bell Telephone Laboratories, ob sie ihre grosse Erfahrung und ihr Wissen in die Perfektion des Radars als militärisches Instrument einbringen könnten. Durch die Western Electric als Fertigungswerk wurde Bell der größte Lieferant des Radars für unsere kämpfenden Truppen.
Es ist keine Überraschung dass die Radarentwicklung und Produktion von den gleichen Wurzeln abstammen, die auch das Telefonsystem dieses Landes aufbauten und erhalten.
Bell Telephone System"

Interessant ist, dass die wahre Herkunft des Magnetrons verschwiegen und die Bell-Laboratories als einzige Enwickler genannt werden.