Bereich I: Entwicklung der Röhrentechnik
     
   

Beam-Power-Tetrode  

Die Beam-Power-Tetrode, kurz BPT, besitzt einen ähnlichen Aufbau wie normale Endpentoden. Im Gegensatz zu diesen befinden sich jedoch, zwischen dem Schirmgitter und der Anode, anstelle des bei Endpentoden üblichen Bremsgitters einfach Strahlbündel- oder Leitbleche. Diese liegen wie das Bremsgitter der Pentode auf Katodenpotential. Die Beam-Power-Tetrode wird daher auch als Strahlbündel-Röhre oder Strahlbündel-Tetrode bezeichnet. Auf Grund des Patentstreits um die Pentode wurden für die BPT eine Vielzahl von Bezeichnungen eingeführt um sich von der Pentode abzugrenzen.

Das Steuergitter und Schirmgitter besitzt die gleiche Windungszahl und die Schirmgitterwindungen sind im Schatten der Steuergitterwindungen angeordnet, was u.a. zu einem verringerten Schirmgitterstrom führt. Die Strahlbündelbleche sind in der Elektronen-Hauptrichtung mit Öffnungen versehen, welche den Elektronenstrom von der Katode zur Anode zu einem relativ dünnen Strahl bündeln. Die Bleche erzeugen wie sonst das Bremsgitter der Pentode eine Raumladung, welche Sekundärelektronen zu ihrer Quelle, der Anode, zurückdrängen. Zur Vermeidung von Sekundär-Emission hält man eine kritische Distanz zwischen Anode und Schirmgitter ein.
Um hierbei eine grosse Steilheit zwischen Gitter und Kathode zu erreichen, musste der Abstand zwischen den Leitblechen sehr klein gehalten werden, was die Plazierung der Haltestege der Leitbleche ausserhalb des Elektronenstroms erforderte.

 

Wie Trioden erzeugen diese Röhren fast keine Verzerrungen und benötigen nur einen kleinen Schirmgitterstrom. Die Charakteristik ist weitgehend gleich wie die einer Pentode.

Die Kennlinie der Beam-Power-Tetrode (BPT) ist über dem gesamten Aussteuerbereich gleichmäßiger als bei normalen Endpentoden, was die Verringerung ungeradzahliger Oberwellen zur Folge hat. Bei Übersteuerung setzt die Begrenzung jedoch schlagartiger ein als bei Pentoden.

Mit den Leitblechen befinden sich fünf Elektroden im System, die weitgehend die gleiche Funktion wie bei Pentoden haben. Deshalb werden die Beam-Power-Tetroden in der deutschen Literatur auch häufig diesen zugeordnet. In Amerika bezeichnet man sie jedoch als Tetroden, um deren grundsätzlichen Unterschied zu normalen Pentoden hervorzuheben und damit diese nicht unter das Pentodenpatent fallen.

 
Links im Bild eine 6L6GC im Glas-Gehäuse (Coke-Bottle) aus chinesischer Produktion. Die Röhre wurde vermutlich in der chinesischen Fabrik Shuguang in Changsa hergestellt.
Rechts zum Größenvergleich eine von Sylvania hergestellte 6L6 im Stahlgehäuse.



Die Beam-Power-Tetroden wurden vor allem in Amerika zur harten Konkurrenz für die Endpentoden und konnten diese über die Jahre fast verdrängen. In Europa hielt Philips als Pentodenerfinder zumindest in der NF-Verstärkertechnik noch sehr lange an Pentoden wie der EL 34 und EL 84 fest.
Telefunken stellte ab 1939 mit den Typen ECL 11 und UCL 11 eine Abwandlung der Beam-Power-Tetrode her. Diese war anstatt der Strahlbündelbleche mit einem Rest-Bremsgitter, bestehend aus zwei Stäben und schmalen Blechstreifen an den Glimmerplatten, ausgestattet.
Für die Verwendung als Zeilenendröhren in Fernsehempfängern setzten sich die Beam-Power-Tetroden (BPT) jedoch überall vollständig durch.

Das Prinzip der Beam-Power-Tetroden wurde im Jahr 1933 bei EMI/MOV in England mit der Absicht, das Philips-Pentodenpatent umgehen zu können, entwickelt. Man glaubte bei EMI jedoch, dass solche Röhren nicht herzustellen wären bzw. diese keine Alternative zu den gebräuchlichen Pentoden darstellten würden und verkaufte die Rechte kurzerhand an die amerikanische RCA - eine verhängnisvolle Fehlentscheidung.
 

Nachfolgend einige Abbildungen der 6L6 Beam-Power-Teterode, die in vielen Varianten gebaut wurden und noch heute für HiFi-Verstärker hergestellt wird:

 
 
6L6 - Röhren in der Endstufe eines HiFi-Verstärkers aus dem Jahr 1994.


 
 
    Zwei 6L6-GA Röhren von Sylvania mit Coke-Bottle-Glaskolben für den militärischen Einsatz.

 
 
Eine neue 6L6 G von Tesla mit dem neuen "JJ"-Logo, das mit der Privatisierung das alte Tesla-Logo ablöste.  
   
 
Einige 6L6 des Herstellers RCA. Die beiden linken Röhren sind branded als Realistic Lifetime für den Einsatz in NF-Verstärkern.