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Die Röhrensammlung
- Grundsätzliche Überlegungen -

Das Sammeln von Gegenständen erfreut sich, nicht zuletzt Dank der einfachen Beschaffungsmöglichkeiten via ebay und Flohmärkten, einer stetig steigenden Beliebtheit. Von Elektronenröhren scheint hierbei ein besonderer Reiz auszugehen, der sich zum Leidwesen für uns Sammler in stetig steigenden Preisen niederschlägt. Da von Elektronenröhren aber auch Gefahren ausgehen können, sind bereits vor Beginn einer Sammllung einige grundsätzliche Überlegung anzustellen.
Immer wieder wenden sich auch Sammler, Neueinsteiger sowie Erben an uns, um Fragen von der Lagerung über die Aufbereitung und Organisation bis zum Verbleib von Röhren nach dem Tot eines Sammlers stellen. Einige häufiger diskutierte Sachverhalte möchte ich nachfolgend darstellen bzw. für diese Fragen eine allgemeine Antwort liefern:
Welche Gefahr geht von dem in Röhren enthaltenen Quecksilber aus?
Die vom in Energiesparlampen enthaltenen Quecksilber ausgehenden Gefahren für unsere Gesundheit wurden in der Öffentlichkeit ausführlich (wenn auch nicht immer sachgerecht) diskutiert. Wenn wir nun betrachten, dass sich in einer Gleichrichterröhre mehr als die 1000fache Quecksilbermenge bezogen auf eine Energiesparlampe befinden kann, wird der Hintergrund der Besorgnis schnell klar. Quecksilber war in Gleichrichterröhren und Thyratrons ein sehr häufig eingesetzter Stoff. Durch die eine große Anzahl unterschiedlicher Typen und teilweise sehr hohen Fertigungsstückzahlen steht den Sammlern heute eine entsprechend grosse Anzahl betreffender Röhren als Sammelobjekte zur Verfügung.
Im Fall eines Glasbruchs oder auch nur einer undicht werdenden Metall-Glasdurchführungen kann das Quecksilber aus dem Röhrengehäuse austreten, in die Umwelt gelangen und erheblichen Schaden verursachen. Daher sollten die betreffenden Röhren regelmäßig geprüft und gegebenenfalls das Quecksilber abgelassen und umweltgerecht entsorgt werden. Hier bewähren sich die von uns verwendeten Kunststoffboxen, die einen Schaden auf einen räumlich kleinen Bereich der Sammlung eindämmen und einen zielgerichtete Reinigung erleichtern.

Gibt es noch andere Gefahren oder gefährliche Stoffe in Röhren?
Das Quecksilber ist bei weitem nicht der einzige gefährliche Stoff mit dem der Röhrensammler in Berührung kommen kann. In einigen Röhren, speziell bei Baureihen die für eine militärische Verwendung vorgesehen waren, wurden zur Verbesserung der elektrischen Eigenschaften und/oder Leistungssteigerung häufig hochgiftige und radioaktive Stoffe eingesetzt. Andere Röhren enthalten zwar keine gefährlichen Inhaltstoffen, stehen aber unter einem sehr hohen Innendruck bei dem bereits eine leichte Beschädigungen des Glaskolbens zu einer Explosion führen kann. Das gleich gilt beispielsweise für Bildröhren die auf Grund des inneren Vakuums zur Implosion neigen.
Wie gefährlich ist eine Röhrensammlung?
Selbst wenn der Umgang mit einer einzelnen Röhren recht ungefährlich ist, sollte der Sammler bedenken, dass der Umgang mit einer größeren Anzahl von Röhren weitaus problematischer werden kann. Ein tägliches Glas Bier zum Abendessen ist in Ordnung, einige Flaschen werden der Gesundheit jedoch keinesfalls förderlich sein. Ebenso verhält es sich auch mit den Stoffen die die Röhren und deren Verpackungen an die Umwelt bzw. den Raum in dem sich die Exponate befinden, abgeben.Häufig geht von den Verpackungen eine höheres Gesundheitsrisiko als von den Röhren selbst aus. Viele heute erhältlichen Röhren haben eine recht hohes Alter oder werden als Keller- oder Dachbodenfund angeboten. Manchmal bemerkt man bereits beim ersten Anblick fleckige Beläge oder Schimmel. Spätestens beim Riechen an der Verpackung erkennt man einen muffigen oder leicht alkoholischen Geruch, der aus den Ausscheidungen von Bakterien- und Schimmelkulturen, sich im Verpackungsmaterial eingenistet haben, entsteht.
Besondere Vorsicht ist bei alten, mit Schafwolle gefüllten Transportkisten der brittischen Marine geboten. Die Schafwolle hatte den Vorteil, dass die Röhren in ihr perfekt vor Erschütterungen geschützt waren und kein zusätzliches, bauartspezifisches Haltegestell benötigt wurde. Der Nachteil der Schafwolle ist jedoch ihre Eigenschaft, in großer Menge Giftstoffe aus der Umwelt aufzunehmen und zu binden, die bei direktem Kontakt über die Haut aufgenommen werden können.
Die Kühl- und Isolierflüssigkeiten, von denen sich noch Reste in bzw. auf den Röhren befinden können, enthalten teilweise gesundheitsschädliche Inhaltstoffe, wie beispielsweise Polychlorierte Biphenyle (PCB). Speziell PCB war bis in die 1980er Jahre ein bewährter und weit verbreiteter Zusatz in der Industrie. Er wurde in Isolierölen, Kondenstoren, Hydraulikflüssigkeiten, aber auch in Lacken, Dichtstoffen und als Weichmacher eingesetzt. Seit dem 22.05.2001 ist das giftige und kerbserregende PCB durch die Stockholmer Konvention weltweit verboten.

Dies sind nur einige Punkte die die Komplexität dieses Gebiets aufzeigen sollen. Letztlich ist das Sammeln von Röhren aber nicht gefährlicher als das Sammeln anderer Dinge entsprechenden Alters. Wer in ein derart komplexes Sammelhobby wie Elektronenröhren einsteigt, wird sich auch zwangsläufig mit den Exponaten befassen und somit genug Wissen erlangen, um Röhren weitgehend sicher zu handhaben und zu lagern.
Wie sollte eine Sammlung angelegt werden und welche Kosten sind zu erwarten?
Die Zusatzkosten für die Aufbereitung und Lagerung der Exponate sowie die Organisation der Sammlung sollten bereits vor Beginn betrachtet werden.
Eine Röhrensammlung wird, sobald der Umfang etwas größer wird, schnell zu einem recht kostspieligen Unternehmen. Da sich, aus den bereits genannten Überlegungen, eine Unterbringung der Sammlung im Wohnbereich ausschließt benötigt die Röhrensammlung zwingend einen separater Raum. Für die Lagerung sind geeignete Behältnisse, Regale, etc. notwendig.
Wir verwenden bei Tuberix stabelbare, transparente Kunststoffboxen, mit einem Volumen von 6 - 25 dm³, die mit einem staubdicht schließendem Deckel ausgestattet sind. Der Vorteil der transparenten Boxen liegt darin, dass die Boxen nicht immer geöffnet werden müssen, um eine Röhre zu suchen bzw. zu betrachten. Eine Sammelbox mit einer Größe von 12dm³ kostet etwa 18,00 € und bietet Raum für etwa 15 - 50 kleinere Röhren. Ein geeignetes, stabiles Regalsystem für rund 30 Boxen kostet etwa 120,00 €. Damit kommen schon für eine kleine Sammlung von ca. 800 Röhren Zusatzkosten von über 500,00 € für die Lagerung zusammen.

Der Raum in dem die Röhrensammlung untergebracht wird muss über eine effektive Luftreinigung verfügen. Eine einfache Zwangsbelüftung durch eine Wandventilator ist nicht zweckmäßig und sollte nur eine Notlösung darstellen. Die durch die Röhren und deren Verpackungen in den Raum eingebrachten Schadstoffen sollten direkt vor Ort gebunden werden, um diese nachfolgend fachgerecht entsorgen zu können. Außerdem hat ein Abluftventilator den Nachteil, dass stets frische Luft in den Raum nachströmt und so auch Staub, Pollen etc. in den Raum gezogen werden. Auch die Feuchteregulierung im Lagerraum wird hierdurch deutlich erschwert.
Wir arbeiten seit vielen Jahren mit mehrstufigen Hochleistungsfiltern des schweizer Unternehmens IQ-Air, die mit speziellen Filtern bestückt und für eine Raumkapazität von 60m³ pro Filter genutzt werden. Der Filter könnte im Prinzip auch weit größere Räume, allerdings sinkt dadurch die Effektivität und das Wartungsintervall wird verkürzt. Die Kosten einer Filtereinheit belaufen sich auf rund 2.800,00 €. Der in der Regel alle 24 - 36 Monate notwendige Filtersatztausch inkl. Entsorgung der verbrauchten Filtereinsätze nochmals auf etwa 1.200,00 €.
(Die genannten Preise beziehen sich auf den Stand von 2010). Die Röhren, die radioaktive Stoffe beinhalten müssen separat betrachtet werden, wobei sich hier schnell die Frage nach der Realisierbarkeit und Finanzierbarkeit einer Sammlung stellt. Für diese Röhren ist in jedem Fall das vorhandensein eines geeigneten Strahlungsmessgeräts zu empfehlen, welches neben der direkten Strahlung, zur Bewertung neu erstandener Röhren, auch die über einen Zeitraum gerechnete Strahlendosis, für die Überwachung der gesamten Sammlung erfasst.
Zum Abschluss

Es geht mir hier keineswegs darum, jemand die Freude am Sammlerhobby verderben. Der Sammler sollte sich aber bewusst sein, dass von Röhren auch Gefahren ausgehen können und entsprechend fachgerecht damit umgehen. Schließlich soll das hochinteressante Hobby dem Sammler lange Freude bereiten und nicht seine Gesundheit gefährden. Soweit die Röhren fachgerecht behandelt und nicht beschädigt werden, geht in der Regel keine Gefahr von diesen aus. Falls sich im Sammlungsraum jedoch ein unangenehmer Geruch einstellt, sollten Sie umgehend handeln und nach der Ursache suchen!

Elektronenröhren sind Erzeugnisse längst vergangener Zeiten und so manche Röhre könnte heute sicherlich eine interessante Geschichte erzählen. Diese Zeugnisse unserer elektrotechnischen Geschichte sollten mit der gleichen Wertschätzung wie andere historische oder kulturelle Güter behandelt und für die Nachwelt bewahrt werden. Mit jeder zerstörten Röhre geht ein Teil dieser Geschichte unwiederbringlich verloren!

Wenn man die bisher betrachteten Punkte berücksichtigt, wird auch klar, weshalb der Verbleib der Röhren nach Tod des Sammlers schon im Vorfeld geregelt werden sollte. Die Erben werden in den wenigsten Fällen in der Lage sein, verantwortungsvoll mit der Sammlung umzugehen.


Für die Beantwortung Ihrer Fragen möchte ich Sie bitten direkt eine EMail an: mail@tuberix.de zu senden oder den Postweg zu nutzen.

Für Notfälle stehe ich Ihnen natürlich aus telefonisch zur Verfügung.